Individuelle Vermögensverwaltung / Marktanalysen
Auf einen Blick: Nachhaltiges US-Wachstum in der Breite
Der Bericht über die langlebigen Wirtschaftsgüter für Juni unterstreicht das breit abgestützte Wachstum der US-Wirtschaft.
Angesichts der in dieser Woche veröffentlichten Zahlen zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt (BIP, ein von der Regierung erstellter Indikator für die Wirtschaftsleistung) im zweiten Quartal haben wir vermehrt in der Finanzberichterstattung Schlagzeilen gesehen, die die Gesundheit der US-Wirtschaft in Frage stellen – eine Fragestellung, die global orientierte Anleger angesichts des grossen Anteils der USA an der Weltwirtschaft berücksichtigen sollten.[i] Einige Kommentatoren vertreten die Auffassung, das Wachstum werde ausschliesslich durch Investitionen in künstliche Intelligenz (KI) getragen und sei deshalb auf Dauer nicht tragfähig. Unseres Erachtens lenkt die Fokussierung auf KI jedoch von einem wirtschaftlichen Umfeld ab, das besser als vermutet ausfällt. Der Bericht zu den langlebigen Wirtschaftsgütern für Juni bestätigt das breit abgestützte Wachstum der US-Wirtschaft – ein aus unserer Sicht unterschätzter Treiber für die Konjunktur und den Bullenmarkt.
Das statistische Bundesamt der USA meldete, dass die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter – also Güter mit einer Nutzungsdauer von mindestens drei Jahren – im Juni gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent zulegten.[ii] Da heutige Auftragseingänge die Produktion von morgen vorwegnehmen, schenken wir diesen Daten – ebenso wie viele andere Marktbeobachter – grosse Aufmerksamkeit. Besonders genau werden die Auftragseingänge für sogenannte Kerninvestitionsgüter (Core Capital Goods) verfolgt. Diese gelten als Indikator für die Ausrüstungsinvestitionen, einen wesentlichen Bestandteil der Unternehmensinvestitionen im US-BIP.[iii] Diese Teilkategorie – bei der Verteidigungsgüter (überwiegend staatliche Nachfrage) sowie Transportgüter (wegen der unregelmässigen Bestellzyklen der Luftfahrtindustrie besonders schwankungsanfällig) ausgeklammert werden – erhöhte sich im Juni um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, nachdem sie im Mai bereits um 1,9 Prozent gestiegen war.[iv]
Die von uns verfolgten Finanzmedien konzentrierten sich vor allem auf den Anstieg der Auftragseingänge für Computer- und Elektronikprodukte um 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und führten diesen auf Ausgaben im Zusammenhang mit KI zurück.[v] Viele Marktbeobachter sahen darin einen weiteren Beleg für die These, dass KI inzwischen sämtliche Unternehmensinvestitionen antreibe – eine Entwicklung, die problematisch werden könnte, sollte die Nachfrage irgendwann nachlassen.[vi]
KI spielt zweifellos eine wichtige Rolle. Unsere Auswertung der Daten zeigt jedoch, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft keineswegs allein auf KI-Investitionen stützt – und dies auch in der Vergangenheit nicht der Fall war. Zwar stiegen die Auftragseingänge für Computer- und Elektronikprodukte im letzten Monat erneut. Gleichzeitig legten aber auch die Bestellungen für die zugrundeliegenden Rohstoffe sowie für elektrische Geräte, Haushaltsgeräte und Komponenten zu.[vii] Die Auftragseingänge für Maschinen sind im vergangenen Monat zwar leicht zurückgegangen (0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat) – dies war der erste monatliche Rückgang seit 16 Monaten – was jedoch auf einen allgemeineren Sachverhalt hinweist: Die Nachfrage nach langlebigen Gütern in den USA ist bereits seit einiger Zeit stetig gestiegen[viii] (Darstellung 1).
Darstellung 1: Neue Auftragseingänge im Bereich der langlebigen Güter seit Juli 2025
Ausführliche Beschreibung von Darstellung 1
Liniendiagramm mit fünf farbigen durchgezogenen Linien, einer goldfarbenen gestrichelten Linie und einer schwarzen gestrichelten horizontalen Referenzlinie, das die Neubestellungen für ausgewählte Branchen im Bereich langlebiger Güter darstellt, indexiert auf 100 im Juli 2025, für den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026.
- Y-Achse: Indexiert auf 100 im Juli 2025, mit einem Wertebereich von 50 bis 350.
- X-Achse: Monatliche Beobachtungen von Juli 2025 bis Juni 2026.
- Linien:
- Dunkelgrüne durchgezogene Linie: Langlebige Güter (Gesamtindex)
- Goldfarbene durchgezogene Linie: Metallverarbeitungsprodukte
- Hellbeige durchgezogene Linie: Maschinenbau
- Hellgrau-grüne durchgezogene Linie: Computer- und Elektroprodukte
- Grüne durchgezogene Linie: Elektrische Geräte, Haushaltsgeräte und Komponenten
- Goldfarbene gestrichelte Linie: Transportwesen
- Schwarze gestrichelte horizontale Linie: Referenzwert bei 100. Diese Linie soll visuell verdeutlichen, dass alle ausgewählten Branchen für langlebige Güter im dargestellten Zeitraum gewachsen sind.
- Alle Reihen beginnen im Juli 2025 bei 100.
- Transportwesen (goldene gestrichelte Linie): Steigt im gesamten Zeitraum schneller an als jede andere Kategorie. Die Linie erreicht bis Oktober 2025 etwa 120, bis Januar 2026 170, bis März 2026 190 und beschleunigt sich dann stark. Im April 2026 steigt sie über 240 und endet im Juni 2026 knapp über 300, dem höchsten Wert in der Grafik.
- Maschinen (hellbeige Linie): Steigt über den gesamten Zeitraum hinweg stetig an, übersteigt Ende 2025 die Marke von 110, erreicht bis März 2026 etwa 140 und steigt weiter an. Die Kurve endet im Juni 2026 bei über 195.
- Computer und Elektrogeräte (hellgrau-grüne Linie): Steigt bis Ende 2025 und Anfang 2026 allmählich an und erreicht bis Februar 2026 etwa 120. Im Frühjahr 2026 beschleunigt sich das Wachstum, und die Kurve endet im Juni 2026 bei etwa 190.
- Metallverarbeitungsprodukte (goldene durchgezogene Linie): Bleibt bis Ende 2025 nahe 100 und zeigt dann im Laufe des Jahres 2026 einen Aufwärtstrend. Die Linie steigt bis März 2026 auf etwa 125 an und endet im Juni 2026 bei etwa 163.
- Elektrische Geräte, Haushaltsgeräte und Komponenten (grüne Linie): Steigt über den gesamten Zeitraum hinweg stetig an, von 100 im Juli 2025 auf etwa 120 im Januar 2026 und endet im Juni 2026 bei etwa 150.
- Langlebige Güter (Gesamtindex) (dunkelgrüne Linie): Wächst langsamer als die anderen Teilbranchenkategorien. Die Linie schwankt während des gesamten Zeitraums zwischen etwa 100 und 115, erreicht im April 2026 einen kurzfristigen Höchststand nahe 115 und endet im Juni 2026 bei etwa 110.
- Bis Juni 2026 sind die Kategorien nach dem höchsten bis zum niedrigsten Indexwert wie folgt geordnet: Transportwesen, Maschinen, Computer und Elektroprodukte, Metallverarbeitungsprodukte, elektrische Ausrüstung, Geräte und Komponenten sowie langlebige Güter (Gesamtindex).
Quelle: FactSet, Stand: 28.07.2026. Neue Auftragseingänge der wichtigsten Industriezweige für langlebige Güter in Milliarden US-Dollar, Juli 2025 bis Juni 2026. Indexiert zu 100 im Juli 2025.
Eine Ausnahme bilden die Auftragseingänge im Transportsektor aufgrund ihrer bereits erwähnten starken Schwankungen. Die Luftfahrtindustrie bestellt besonders kostenintensive Güter häufig in grösseren Paketen, wobei internationale Luftfahrtmessen regelmässig als Auslöser dienen.[ix] Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die Daten sind nicht inflationsbereinigt. Ein Teil des Anstiegs dürfte daher auf höhere Preise und nicht ausschliesslich auf grössere Bestellmengen zurückzuführen sein. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Auftragseingänge in sämtlichen wichtigen Industriezweigen innerhalb der vergangenen zwölf Monate zugenommen haben. Wir stimmen zu, dass ein Teil dieser Entwicklung auf den Ausbau der KI-Infrastruktur zurückzuführen ist. Nach unserer Einschätzung spiegelt sie jedoch ebenso eine robuste Nachfrage nach klassischen Alltagsprodukten wider – von Klimaanlagen und Mikrowellen über Autoteile bis hin zu Mini-Backöfen. Aus unserer Sicht trägt also keineswegs nur ein einzelner Bereich das Wachstum, während alle übrigen Segmente stagnieren.
Auch wenn die Auftragseingänge für langlebige Güter einen Blick nach vorn erlauben, bilden sie lediglich einen begrenzten Teil der Wirtschaftsleistung ab – insbesondere die Investitionen in Unternehmensausstattungen ausserhalb des Wohnungsbaus, also der Geschäftsinvestitionen. Gemessen am nominalen US-BIP des Jahres 2025 – also zu jeweiligen Preisen und ohne Inflationsbereinigung – entfielen rund 39 Prozent der Unternehmensinvestitionen auf Equipment. Damit lagen sie deutlich vor den Bauinvestitionen (21 Prozent) und nur knapp hinter den Investitionen in Produkte des geistigen Eigentums (einschliesslich Software sowie Forschung und Entwicklung), die rund 40 Prozent ausmachten.[x] Betrachtet man die Gesamtwirtschaft, relativiert sich ihre Bedeutung allerdings: Die Ausrüstungsinvestitionen entsprachen lediglich 5,3 Prozent des nominalen US-BIP, während die Verbraucherausgaben rund 70 Prozent ausmachten.[xi]
Unsere Analysen zeigen allerdings seit Langem, dass der private Konsum nur selten den Ausschlag für konjunkturelle Wendepunkte gibt. Ausschlaggebender sind vielmehr die Geschäftsinvestitionen. Nach unseren historischen Beobachtungen können über einen längeren Zeitraum rückläufige Auftragseingänge für Kerninvestitionsgüter darauf hindeuten, dass Unternehmen nach einer Phase hoher Investitionen vorsichtiger werden, Risiken abbauen und weniger neues Kapital in die Wirtschaft lenken. Ein solches Muster beobachten wir häufig im Vorfeld einer Rezession (eines anhaltenden Konjunkturabschwungs). Aktuell sehen wir diese Bedingungen nicht gegeben. Unternehmen erhalten weiterhin problemlos Kapital über den Kreditmarkt und die Märkte für Unternehmensanleihen – und sie investieren dieses Kapital auch weiterhin.[xii]
In den Finanzmedien, die wir verfolgen, stehen Technologie- und technologiebezogene Investitionen derzeit klar im Mittelpunkt. Dadurch werden viele andere wachsende Bereiche der US-Wirtschaft leicht in den Schatten gestellt. Gerade dieses vielfach unterschätzte, breit abgestützte Wachstum spricht unseres Erachtens dafür, dass die US-Wirtschaft weiterhin auf einem soliden Fundament steht. Für uns ist dies ein wesentlicher Grund, den globalen Aktienmärkten unverändert positiv gegenüberzustehen.
[i] Quelle: Weltbank, Stand: 29.07.2026. Die Aussage stützt sich auf einen Vergleich des nominalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA im Jahr 2025 mit dem von China, Deutschland, Japan und dem Vereinigten Königreich.
[ii] Quelle: FactSet, Stand: 27.07.2026.
[iii] Quelle: Bureau of Economic Analysis, Stand: 28.07.2026.
[iv] Siehe Fussnote ii.
[v] Ebd.
[vi] «US Core Capital Goods Orders Rise, Shipments Post Largest Gain in 4-1/2 Years Amid AI Investment Boom», Lucia Mutikani, Reuters, 27.07.2026. Abgerufen über MSN.
[vii] Siehe Fussnote ii.
[viii] Ebd.
[ix] «Boeing Pips Airbus in Low-Key Farnborough Jet Order Race», Shivansh Tiwary, Reuters, 23.07.2026. Abgerufen über US News & World Report.
[x] Quelle: Bureau of Economic Analysis, Stand: 28.07.2026.
[xi] Ebd.
[xii] Quelle: St. Louis Federal Reserve und Sifma, Stand: 29.07.2026. Die Aussage basiert auf Daten zu Krediten und Leasingverträgen aus dem Bankkreditwesen (alle Geschäftsbanken), wöchentlich, 19.07.2023 – 15.07.2026, sowie auf Statistiken zu US-Unternehmensanleihen (Stand: 17.07.2026).
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