Individuelle Vermögensverwaltung / Wirtschaft
Jenseits des Krieges: Ein politischer Blick auf Amerika, Kanada und Dänemark
Aktuelle politische Entwicklungen abseits des Nahostkonflikts.
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Die Analysten, denen wir folgen, konzentrieren sich in erster Linie auf den Nahostkonflikt. Daher haben die Medien, die wir lesen, viele politische Trends der letzten Zeit nicht nachverfolgt. Wir beleuchten hier einige der jüngsten Entwicklungen in den Industrieländern, die wir für bemerkenswert halten. Dazu zählen eine Sonderwahl im US-Repräsentantenhaus, die in Georgia zu einer Stichwahl führt, die Annäherung des kanadischen Premierministers an eine parlamentarische Mehrheit und die weiterhin im Raum stehenden vorgezogenen Neuwahlen in Dänemark. Wir bewerten diese Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Märkte.
In Georgia steht eine Stichwahl bevor
In den USA geht die Sonderwahl zur Neubesetzung des Sitzes der ehemaligen republikanischen Abgeordneten Marjorie Taylor Greene in eine Stichwahl – und der Sitz könnte an die Demokraten fallen. Der unbesetzte Sitz von Taylor Greene befindet sich im 14. Wahlkreis in Georgia, der bei den Präsidentschaftswahlen 2024 mit einem Verhältnis von fast 70 zu 30 für US-Präsident Donald Trump gestimmt hat – ein recht deutlicher Vorsprung.[i] Bei der Wahl am vergangenen Dienstag hat der Demokrat Shawn Harris den von Trump unterstützten Republikaner Clay Fuller mit 37,3 Prozent der Stimmen gegenüber 34,9 Prozent für Fuller übertrumpft.[ii] Gemäss in Georgia geltendem Recht findet automatisch eine Stichwahl zwischen den zwei besten Kandidaten statt, wenn nicht einer der Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint. Somit steht am 7. April ein entscheidendes Kräftemessen bevor. Der Gewinner wird bis zum Ende der Amtszeit von Taylor Greene bis zum 3. Januar 2027 im Amt sein. Als Amtsinhaber tritt er direkt bei den Vorwahlen zum Kongress am 19. Mai in Georgia und möglicherweise bei den Zwischenwahlen im November an, was ihm unserer Ansicht nach einen leichten Vorteil verschafft.
Konkret würde sich der knappe Vorsprung der Republikaner im Repräsentantenhaus im Falle eines Sieges von Fuller auf fünf Sitze erhöhen (219 zu 214). Damit würde die Partei jedoch nicht über einen nennenswerten Spielraum verfügen, um umstrittene Gesetzesvorlagen durchzusetzen – zumal solche Initiativen in einem Zwischenwahljahr ohnehin unwahrscheinlich sind. Umgekehrt würde sich der Vorsprung der Republikaner im Repräsentantenhaus bei einem Sieg von Harris in der Stichwahl auf 218 zu 215 reduzieren und die Pattsituation weiter verschärfen. Uns erscheint es darüber hinaus wichtig, die Auswirkungen auf die Zwischenwahlen im Auge zu behalten: Gewinnen die Demokraten allmählich an Rückhalt oder hat die Vielzahl der Kandidaten die Stimmen gespalten? Insgesamt stellten sich 17 Kandidaten zur Wahl und die republikanischen Anwärter gewannen gemeinsam mehr Stimmen.[iii] Die grösste Überraschung dürfte sein, dass die Stichwahl zwischen Kandidaten der beiden wichtigsten US-Parteien stattfindet – und nicht etwa zwischen zwei Republikanern. Der andauernde Krieg erschwert die Situation zusätzlich, da nunmehr auch der Zeitpunkt eine Rolle spielen könnte.
Ein starkes Wahlergebnis für Harris könnte zudem aufzeigen, was unsere Analysen als völlig normal betrachten, nämlich dass die Partei des amtierenden Präsidenten in den US-Zwischenwahlen an Macht verliert. Bestätigt sich dies in der Stichwahl, könnte der Sieg von Harris auf schwierige Zwischenwahlen für die Republikaner hinweisen, zumal der Wahlkreis 2024 noch als feste Hochburg der Republikaner galt.[iv] Wir glauben jedoch nicht, dass dies aus Marktsicht den politischen Treiber für Aktien spürbar beeinträchtigen wird. Die Republikaner behalten ihre ohnehin knappe Mehrheit unabhängig vom Ausgang der Wahl. Mit wesentlichen Änderungen der Gesetzgebung in Washington ist daher nicht zu rechnen. Ein Wahlsieg von Harris oder selbst ein gutes Abschneiden in der Stichwahl deuten unserer Ansicht nach darauf hin, dass sich das historische Muster wahrscheinlich wiederholen wird: die Partei des Präsidenten verliert Sitze.
Kanadischer Premier liebäugelt mit Mehrheit
Zu Beginn des Monats berief der kanadische Premierminister (PM) Mark Carney Zwischenwahlen für den 13. April ein, um drei freie Sitze im House of Commons zu besetzen.[v] Wenn Parlamentsabgeordnete der Liberal-Partei zwei von den Sitzen gewinnen, hätte Carney erstmals seit seinem Amtsantritt als Premierminister im vergangenen Frühjahr eine knappe Mehrheit statt einer Minderheitsregierung.[vi] Grund dafür ist der Parteiwechsel mehrerer Abgeordneter zur Liberalen Partei in den letzten Monaten. Den Höhepunkt markierte am vergangenen Mittwoch der Übertritt der einzigen Abgeordneten aus Nunavut, Lori Idlout.[vii]
Die Umfragewerte, die Berichterstattung und frühere Wahlen in diesen Wahlkreisen deuten auf einen Sieg der Liberalen als am wahrscheinlichsten hin.[viii] Zwei der Sitze befinden sich in Toronto, wo die Liberalen eine deutliche Mehrheit haben, während der dritte Sitz in Montreal hart umkämpft sein dürfte. Carney benötigt jedoch lediglich zwei Sitze.
Der kanadische Premierminister wird sich wahrscheinlich eine knappe Mehrheit verschaffen. Das Ende seiner Minderheitenregierung könnte die Pattsituation entschärfen, doch der knappe Vorsprung wird sie wohl nicht ganz auflösen. Man bedenke: Ein oder zwei liberale Abgeordnete könnten Gesetze verzögern oder verwässern – ein Szenario, das angesichts der internen Konflikte der Liberalen bei Klima- und Finanzpolitik durchaus denkbar ist. Eine Initiative zur Förderung der heimischen Energieerzeugung könnte somit auf Widerstand seitens der internen «Umweltfraktion» der Liberalen stossen. Wie der Haushalt im letzten November zeigte, bestehen grosse Meinungsverschiedenheiten bei den Liberalen in Bezug auf Themen wie Ausgaben und Steuern.[ix] Diese Konflikte könnten erneut in den Fokus rücken. Wie bereits erwähnt, wechselten zudem kürzlich mehrere Abgeordnete die Partei, um die Liberalen in diese Lage zu versetzen. Werden sie die Ziele ihrer neuen Partei jedoch sofort nach dem Wechsel unterstützen?
Aus Marktsicht dürften weitreichende Gesetzesvorschläge, sofern sie in Kraft treten, wahrscheinlich weniger belastend sein als befürchtet. Mögliche parteiinterne Streitigkeiten der Liberalen dürften Unternehmen und Privatpersonen zudem genügend Zeit lassen, um sich anzupassen und vorzubereiten. Dies sollte dazu beitragen, die regulatorische Risikoaversion an den Aktienmärkten gering zu halten – ein Aspekt, den wir basierend auf unseren Analysen als positiv bewerten.
Dänemark steuert vorgezogene Neuwahlen an
Am 26. Februar beraumte die dänische Premierministerin Mette Frederiksen vorgezogene Neuwahlen für den 24. März ein.[x] Berichten zufolge sind die amtierenden Sozialdemokraten (S&D) bestrebt, die kürzlich gestiegene Beliebtheit von Frederiksen gewinnbringend zu nutzen, die Trumps Kaufangebot für Grönland abgelehnt hatte.[xi] Unseres Erachtens will die dänische Premierministerin ihre Koalitionsregierung im Parlament stärken.
Mette Frederiksen leitet derzeit eine Koalition aus ihrer Mitte-Links-Partei S&D, den Liberalen (Venstre) und den Gemässigten (Moderaterne). Zwei kleinere Parteien, die Grönland und die Färöer-Inseln vertreten, sichern ihr im 179 Sitze zählenden dänischen Parlament Folketing die Mehrheit.[xii] Umfragen zufolge dürfte das Parteientrio trotz der zuletzt gestiegenen Beliebtheit der Premierministerin nur etwa 65 Sitze gewinnen. Das wäre weniger als aktuell und weit weniger als die 90 Sitze, die für eine Regierungsmehrheit erforderlich sind. Sollten sich die Umfragewerte bestätigen, stehen weitere Koalitionsverhandlungen bevor.[xiii] Der überwältigende Wahlsieg der Liberaldemokratischen Partei Japans bei den vorgezogenen Wahlen im letzten Monat hat jedoch gezeigt: Umfragen sind unzuverlässig. Dennoch glauben wir, dass sie helfen, grundlegende Erwartungen zu formulieren.[xiv]
Unseren Beobachtungen zufolge sollte sich diesmal eine grössere Ausgewogenheit zwischen den Parteien einstellen. Die Regierungskoalition unter Frederiksen hat seit den Wahlen 2022 an Rückhalt eingebüsst. Bei den Kommunalwahlen im vergangenen November machten die Wähler ihrem Unmut über die Lebenshaltungskosten und die Sozialprogramme Luft.[xv] Die Regierungspartei wird wohl eher auf die Unterstützung grosser Parteien angewiesen sein als auf die der kleinen grönländischen und färöischen Parteien, die sie derzeit stützen. Frederiksen Koalition könnte versuchen, ihre politische Reichweite zu vergrössern, und mit Mitgliedern des Mitte-Rechts-Blocks, der Liberalen Allianz und den Konservativen kooperieren. Sie könnte aber auch einen anderen Kurs einschlagen und sich mit der sozialistischen Rot-Grünen Allianz und der sozialliberalen Partei «die Radikalen» zusammenschliessen, mit denen es mehr politische Gemeinsamkeiten gibt. Wir halten in jedem Fall einen komplexen Koalitionsvertrag zwischen mehreren Parteien für am wahrscheinlichsten, der unserer Ansicht nach zu einer Pattsituation führen wird.
Wie unsere Analysen zeigen, ist eine Pattsituation in der Regel bullish. Die Umstände sind jedoch in Ländern mit kleinen Märkten und einer hohen Anzahl an Privatunternehmen wie in Dänemark komplexer.[xvi] Trotz der politischen Pattsituation im Parlament im vergangenen Jahr schienen die schwachen Ergebnisse von Novo Nordisk und Ørsted, zwei der grössten dänischen Unternehmen, stärker ins Gewicht zu fallen.[xvii] Die Politik treibt unseres Erachtens nur Entwicklungen an, während sich ihre Wirkung nach den Merkmalen des heimischen Marktes richtet. Eine Pattsituation könnte der nächsten dänischen Regierung Rückenwind geben. Allerdings bleibt dies nur ein Faktor, der von anderen überlagert werden könnte.
[i] Quelle: The Downballot, Stand: 12.03.2026. Berechnungen der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2024 nach Wahlkreis.
[ii] Quelle: Georgia Secretary of State, Stand: 12.03.2026. 10. März Ergebnisse der Sonderwahl.
[iii] Ebd.
[iv] Siehe Fussnote i.
[v] «Carney Calls Byelections in Quebec Riding of Terrebonne, 2 Toronto Ridings», Benjamin Lopez Steven, CBC, 08.03.2026.
[vi] Ebd.
[vii] «Canadian PM Carney Nears Majority with Fourth Defection», Thomas Seal und Derek Decloet, Bloomberg, 11.03.2026.
[viii] Quelle: MainStreetResearch, Stand: 12.03.2026. Umfrage zur Sonderwahl in Scarborough Southwest Federal und Ontario, März 2026.
[ix] «Federal Budget Forecasts $78B Deficit as Liberals Shift Spending to Capital Projects», Sammy Hudes, The Canadian Press, 04.11.2025.
[x] «Danish PM Calls Snap Election Amid Greenland Momentum», Roshni Majumdar, Deutsche Welle, 26.02.2026.
[xi] Ebd.
[xii] Quelle: Dänisches Parlament, Stand: 11.03.2026.
[xiii] Quelle: PolitPro, Stand: 11.03.2026.
[xiv] «Japan’s Takaichi Wins Snap Election by Landslide: What You Need to Know», Rebecca Schneid und Chad de Guzman, Time, 09.02.2026.
[xv] «Danish Social Democrats Lose Ground in Local Polls on Cost-of-Living, Welfare Concerns», Soren Jeppesen und Jacob Gronholt-Pedersen, Reuters, 19.11.2025.
[xvi] Quelle: FactSet, Stand: 12.03.2026. Angabe basierend auf dem nach Bestandteilen gewichteten MSCI Denmark.
[xvi] Ebd. Angabe basierend auf der Kursentwicklung von Novo Nordisk und Ørsted, 31.12.2024 – 31.12.2025.
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