Individuelle Vermögensverwaltung / Marktanalysen
Erfreuliche Sommerdaten
Weitere Anzeichen für eine widerstandsfähige Weltwirtschaft.
Beängstigende Nachrichten waren 2026 bislang keine Mangelware – vom Irankrieg über die extreme Hitze in Europa bis hin zu Zöllen und Sorgen über Zinserhöhungen. Viele Analysten befürchten, dass die globale Konjunktur und damit auch die Märkte leiden werden. Und doch zeichnen die neuesten Unternehmenserhebungen aus den grossen Industrieländern weiterhin ein positives Bild. Diese Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft steht im Einklang mit dem, was Aktien seit Jahresbeginn einpreisen. Die verbesserten Daten zeigen, dass sich Aktien nicht von einer schwachen Wirtschaft abkoppelten, sondern einfach eine bessere Zukunft vorwegnahmen.
Versetzen wir uns ein wenig in die Vergangenheit und gehen zurück an den Anfang dieses Jahres, als der Ausbruch des Irankriegs die Schlagzeilen beherrschte. Der Konflikt mündete in höheren Ölpreise, insbesondere nachdem der Iran die Strasse von Hormus geschlossen hatte, während die Kriegssorgen die Stimmung ins Mark trafen und die globalen Märkte ins Wanken brachten.
Doch die Aktienmärkte folgten ihrem üblichen Drei-Phasen-Muster, das beim Ausbruch regionaler Konflikte in der Regel einsetzt. Zunächst steigt die Volatilität, da Säbelrasseln für Unsicherheit sorgt. Im Folgenden heizen die ersten Kampfhandlungen diese Volatilität weiter an, zumal die Märkte in Echtzeit reagieren und Worst-Case-Szenarien einpreisen. Daraufhin legen Aktien – gewöhnlich lange vor dem Ende der Feindseligkeiten – wieder zu, weil Anleger erkennen, dass sich der Krieg kaum noch weiter ausbreiten dürfte und die nachgelagerten Negativfolgen für die Wirtschaft entweder nur vorübergehend oder nicht so gravierend sind wie zunächst angenommen.
Dieses Muster war im März und April zu erkennen. Abgesehen von einigen Lichtblicken im US-Technologiesektor – insbesondere bei einigen wenigen KI-Titeln – drückte die Angst am Jahresbeginn die Marktstimmung. Besonders düster waren die Prognosen für Europa und Asien aufgrund ihrer gefühlten Sensitivität gegenüber einer Blockade der Strasse. Einige Monate später haben sich diese trüben Aussichten noch immer nicht bewahrheitet. Die Ölpreise sind nicht dauerhaft auf über 200 USD pro Barrel gestiegen, die hohe Inflation hat sich nicht neu entfacht, zumal die kleinen Anstiege überwiegend den Ölpreisen geschuldet sind, und das Wachstum hält an. Zwar haben die starken Hitzewellen in Europa tragische Waldbrände entfacht und Menschenleben gekostet (wie bedauerlicherweise auch in den USA), doch die Wirtschaft kam nicht zum Erliegen.
Wo also ist der neueste Beweis dafür, dass die Weltwirtschaft nicht eingebrochen ist? Die Antwort liefern die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) von August, d. h. Umfragen, die die Breite des Wachstums in der Privatwirtschaft erfassen. Werte über 50 deuten darauf hin, dass mehr Unternehmen eine Expansion statt einer Kontraktion vermeldet haben. Liegt der Wert unter 50, ist es genau umgekehrt. Insgesamt betrachtet war August ein starker Monat.
Darstellung 1: Neueste PMIs bestimmter Industrieländer
|
Composite |
August (vorläufig) |
Dienstleistungen |
Composite |
Juli (endgültig) |
Dienstleistungen |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
|
USA |
56,0 |
53,2 |
56,8 |
54,5 |
54,6 |
53,9 |
|
Verein. Königreich |
52,5 |
51,5 |
52,8 |
52,5 |
51,9 |
52,1 |
|
Eurozone |
52,1 |
52,8 |
51,7 |
52,0 |
51,9 |
51,7 |
|
Deutschland |
51,0 |
54,1 |
48,5 |
51,3 |
52,2 |
49,8 |
|
Frankreich |
48,8 |
51,5 |
48,4 |
49,4 |
49,8 |
49,4 |
|
Japan |
53,4 |
55,1 |
52,3 |
52,7 |
54,5 |
51,2 |
Quelle: S&P Global, Stand: 21.08.2026.
Die USA verzeichneten den höchsten Wert des Composite-PMI (d. h. Dienstleistungen und verarbeitendes Gewerbe zusammen) seit April 2022.[i] Die Privatwirtschaft im Vereinigten Königreich verbuchte ihre beste Entwicklung seit April, während der Composite-Index in Japan so hoch war wie seit Februar nicht mehr.[ii] In der Eurozone erreichte der Index für das verarbeitende Gewerbe den höchsten Stand seit 51 Monaten, was vorwiegend Deutschland geschuldet ist.[iii] Und wenngleich die Composite PMIs in Deutschland und Frankreich Zweimonatstiefs erreichten, kletterte der breit gefasste Composite-PMI der Eurozone auf den höchsten Stand seit neun Monaten. Damit machten die anderen 19 Mitgliedstaaten die Schwäche der Schwergewichte mehr als wett.[iv]
Die meisten vorläufigen August-PMIs signalisierten eine Aufhellung.[v] Sowohl in den USA als auch im Vereinigten Königreich stieg das Vertrauen.[vi] In der Eurozone stieg die Nachfrage, und das insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, wozu Deutschland beitrug. In Japan hingegen stiegen die Auftragseingänge sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor.
Gleichwohl heisst das nicht, dass alle PMIs mitziehen, wie ein Blick auf den deutschen Dienstleistungsindex und den französischen Composite-Index belegt (den ein Analyst als «kaum lauwarm» bezeichnete).[vii] In Deutschland machten die Befragten im Dienstleistungssektor den Irankrieg für den fünften Wert unter 50 in Folge verantwortlich.[viii] Dienstleistungsunternehmen nennen seit April Inflationsdruck und geopolitische Unsicherheit als grösste Wirtschaftshemmnisse. Allerdings bewegte sich der deutsche PMI für den Dienstleistungssektor im Zuge der anziehenden August-Nachfrage «näher auf eine Stabilisierung» zu – möglicherweise ein Anzeichen dafür, dass die Belastungsfaktoren vom Jahresanfang nachlassen.[ix]
Hartnäckiger ist die Schwächephase dagegen in Frankreich: Dort lag der Composite-PMI in den letzten drei Jahren zumeist unter 50 Zählern. Die PMIs der V. Republik wichen häufig von den Indizes anderer Industrieländer ab. Analog zu ihren deutschen Pendants machten auch französische Unternehmen den Irankrieg und die «allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung» für die schwächere Entwicklung in diesem Jahr verantwortlich. Allerdings verwiesen sie auch auf die wechselhafte innenpolitische Lage seit der vorgezogenen Wahl 2024. Wir ignorieren nicht, wie die langsam schwelende Politikkrise Frankreichs die Marktstimmung bis zu einem gewissen Grad trüben könnte. Allerdings werden solche schwergewichtigen Ereignisse wie eine wechselhafte Politik, Extremwetter und/oder Kriege in entfernten Ländern schnell zu Sündenböcken gemacht. Auch die französischen Unternehmen könnten eine Schwächephase durchlaufen, was im Zuge einer globalen Expansion nicht unüblich ist (wie in den 2010er-Jahren über weite Strecken in Japan). Der Rückgang bei den Auftragseingängen und Exporten im August könnte – im gleichen Masse wie politische oder geopolitische Unsicherheit – darauf hindeuten, dass französische Unternehmen die Kundennachfrage nur mit Mühe bedienen können.
Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Aussagekraft der PMIs begrenzt ist. Denn diese Unternehmenserhebungen erfassen lediglich die Breite des Wachstums – oder der Kontraktion. Das Ausmass erfassen sie nicht. Denn da sie nicht zeigen, wie stark Unternehmen insgesamt wuchsen oder schrumpften, weisen sie keine perfekte Korrelation mit den Wirtschaftsentwicklungen auf. Diese Abkopplung ist in Bezug auf Frankreich offensichtlich. Wenngleich der Composite-PMI Frankreichs in den letzten drei Jahren zumeist unter 50 Punkten lag, wuchs das BIP Frankreichs in diesem Zeitraum überwiegend.[x] Diese Abweichung zeigt sich nicht nur in der V. Republik. Ein weiteres jüngstes Beispiel ist das Vereinigte Königreich, dessen Composite-PMI im Mai und Juni eine Kontraktion verbuchte, obschon das monatliche BIP im Juni im Vormonatsvergleich um 0,3 Prozent wuchs, nachdem es im Mai seitwärts tendiert hatte.[xi]
Dennoch können PMIs andeuten, wie es um die Konjunktur im Privatsektor bestellt ist (etwa anhand der Kundennachfrage, ob Preisdruck gegeben ist oder nicht, usw.). Nach einer langen Kontraktionsphase überschritten die deutschen PMIs für das verarbeitende Gewerbe im Februar die 50er-Marke und liegen nun seit sechs aufeinanderfolgenden Monaten im Expansionsbereich.[xii] Analog zu diesem positiven Trend stieg auch die Industrieproduktion Deutschlands auf Monatsbasis bis Juni drei Monate in Folge, nachdem sie zuvor fünf Monate lang rückläufig war.[xiii] Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA: Dort legte das verarbeitende Gewerbe und damit eine Teilmenge des Fed-Datensatzes für die Industrieproduktion auf Monatsbasis seit Jahresanfang bis Juli zu – im Einklang mit dem steigenden US-PMI für das verarbeitende Gewerbe.[xiv]
Für unsere Zwecke liegt der grösste Vorteil der PMIs in ihrer Aktualität. Auch wenn sie nicht zeigen, wie sehr private Unternehmen wuchsen oder schrumpften, verschaffen sie eine kurze Momentaufnahme der jüngsten Wirtschaftslage, deren Einzelheiten und Kommentare von Führungskräften Beachtung verdienen. PMIs untermauern rasch eine Realität, die Aktien bereits seit Langem erkannt haben: Wir halten das globale Wachstum für gut. Es unterstützt das künftige Umsatz- und Gewinnwachstum, das wiederum Aktien beflügelt
[i] Quelle: S&P Global, Stand: 21.08.2026.
[ii] Ebd.
[iii] Ebd.
[iv] Ebd.
[v] Ebd.
[vi] Ebd.
[vii] Ebd.
[viii] Quelle: FactSet, Stand: 25.08.2026.
[ix] «German Services Contract in April at Fastest Pace in Over Three Years, PMI Shows», Staff, Reuters, 06.05.2026.
[x] Quelle: FactSet, Stand: 21.08.2026.
[xi] Quelle: Nationales Statistikamt und FactSet. Stand: 21.08.2026.
[xii] Quelle: FactSet, Stand: 21.08.2026.
[xiii] Quelle: FactSet, Stand: 21.08.2026.
[xiv] Ebd.
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