Individuelle Vermögensverwaltung / Marktanalysen
Die Zinserhöhung in Australien ist nichts, das einen ins Schwitzen bringen muss
Anders als das Wetter Down Under muss die Zinserhöhung Aktienanleger nicht ins Schwitzen bringen.
Sind Zinserhöhungen schlecht für Aktien? Während die EZB und die Bank of England die Zinsen letzte Woche unverändert beliessen, beendete die Reserve Bank of Australia (RBA) die jüngste Serie an Zinssenkungen und hob die Zinsen am Dienstag stattdessen an.[i] Während auf der Südhalbkugel gerade hochsommerliche Temperaturen herrschen, signalisiert dieser Zinsschritt eine vermeintliche Straffungsabsicht der Währungshüter, was unter den Kommentatoren erneut Fragen über die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Aktienmärkte aufwirft. Doch wie in Europa und Amerika stellen Zinsanhebungen auch in Australien nicht die «Bullenmarkt-Killer» dar, für die sie so viele halten. Die Geldpolitik sollte unseres Erachtens durchaus im Auge behalten werden. Gleichwohl sollte nicht allzu viel in eine einzelne Zinserhöhung hineininterpretiert werden.
Am 3. Februar gab die RBA bekannt, den Zielwert für die Cash Rate um 0,25 Prozentpunkte auf 3,85 Prozent anzuheben.[ii] Angesichts der gestiegenen Inflation, die nach einem Jahrestief von 2,1 Prozent im 2. Quartal 2025 bis zum 4. Quartal wieder auf 3,6 Prozent anzog, unterstrich RBA-Gouverneurin Michele Bullock die Entschlossenheit der Notenbank. Eine unkontrollierte Inflationsentwicklung müsse verhindert werden, um die Teuerungsrate stabil in den Zielkorridor von 2–3 Prozent zurückzuführen.[iii] So unbeliebt die Inflation auch ist: Viele Experten befürchten immer noch, dass Zinserhöhungen Wirtschaft und Börse belasten könnten. Dies gilt insbesondere für Australien: Da die meisten Hypothekenzahlungen in Australien an die Cash Rate gekoppelt sind, reagiert das Land strukturell anfälliger auf Zinserhöhungen als die meisten anderen Nationen.[iv] Aus diesem Grund warnen zahlreiche Finanzpublikationen davor, dass die erste Zinsanhebung seit zwei Jahren die privaten Haushalte in finanzielle Schieflage bringen und damit die Investitionen sowie die Konjunktur bremsen könnte.
Sollten sich Anleger also in Deckung begeben? Wir denken nicht. Man beachte die Entwicklung in der Vergangenheit. Zwischen Anfang Mai 2002 und März 2008 hob die RBA die Zinsen um drei ganze Prozentpunkte von 4,25 Prozent auf 7,25 Prozent an.[v] Zwischen der ersten und der letzten Zinserhöhung zogen australische Aktien auf Basis des Australischen Dollars (AUD) um 105 Prozent an.[vi] Im Zuge des nächsten Straffungszyklus, der von Oktober 2009 bis November 2010 andauerte, wurden im Verlauf von etwas mehr als einem Jahr sieben Zinserhöhungen vorgenommen.[vii] Aktien legten in dieser Zeit um 6,5 Prozent zu.[viii]
Nun fiel der Beginn des starken Zinsstraffungszyklus zwischen Mai 2022 und November 2023 mit einem globalen Bärenmarkt zusammen.[ix] Dieser ging unseres Erachtens zum Teil darauf zurück, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger überraschende Zinserhöhungen vornahmen. Sie stellten jedoch nur einen der zahlreichen Belastungsfaktoren für die Anlegerstimmung dar, die damals auf den Aktienmärkten lasteten, wie etwa Russlands Invasion in die Ukraine, die globalen Lieferkettenstörungen, der sprunghafte Inflationsanstieg, die Rezessionswarnungen und so weiter. Und dennoch gewann der MSCI Australia Index zwischen der ersten und der letzten Zinsanhebung der RBA in diesem Zyklus 4,2 Prozent in Lokalwährung hinzu.[x] Während die Tagesgeldsätze im Anschluss über ein Jahr lang auf einem erhöhten Niveau von 4,35 Prozent verharrten, zogen australische Aktien noch stärker an.[xi] Dies bescherte ihnen im Zeitraum von der ersten Zinserhöhung bis zur ersten Zinssenkung einen Zugewinn von 32,3 Prozent auf AUD-Basis.[xii]
Aus dieser Entwicklung gehen für uns zwei wesentliche Punkte hervor: Zum einen werden Zinserhöhungen in der Regel in wirtschaftlichen Expansionsphasen vorgenommen, welche die Unternehmensgewinne beflügeln, die sich für gewöhnlich am stärksten auf die Aktienmärkte auswirken. Zum anderen werden die Märkte von Überraschungen getrieben, während geldpolitische Entscheidungen nur selten Schockereignisse darstellen. Unserer Ansicht nach hatten die Schritte im Jahr 2022 wohl einen grösseren Effekt als üblich, da die Währungshüter den Anlegern weltweit zuvor signalisiert hatten, dass keine Erhöhungen anstünden, was für ein zusätzliches Überraschungsmoment sorgte.[xiii] Dennoch betrachten wir dies lediglich als einen von vielen Faktoren, die zu einem stimmungsgetriebenen, flachen Bärenmarkt führten.
Danach waren unseren Analysen zufolge positive Überraschungen zu beobachten: Die Zinserhöhungen wirkten sich kaum merklich auf das Bruttoinlandsprodukt oder den privaten Konsum in Australien aus.[xiv] Die Kreditvergabe an Unternehmen und Privatpersonen nahm durchweg zu.[xv] Die Realität zeichnete demnach ein weitaus freundlicheres Bild, als die Schlagzeilen es hätten vermuten lassen. Aus den Nachrichtenmeldungen geht hervor, dass der geldpolitische Kurswechsel vergangene Woche sowohl erwartet als auch vielfach beachtet worden war und überdies vor dem Hintergrund einer scheinbar wachsenden Wirtschaft erfolgte. Für uns deutet nur wenig auf ein echtes Schockmoment hin.
Dies bedeutet aber nicht, dass gar keine Risiken bestehen. Geldpolitische Fehltritte sind nach wie vor möglich, insbesondere angesichts der Begründung der RBA für ihre Zinserhöhung, die wir für fehlgeleitet halten – nämlich, dass die niedrige Arbeitslosigkeit und das stärkere Beschäftigungswachstum für Preisdruck sorgen. Diese Daten sind rückwärtsgerichtet und stellen unseren Analysen zufolge keine Faktoren dar, die sich auf die künftige Inflation auswirken. Vielmehr ist Inflation als monetäres Phänomen immer dann zu beobachten, wenn zu viel Geld für zu wenige Güter und Dienstleistungen vorhanden ist.[xvi]
Angesichts einer australischen Geldmenge, die sich auf dem moderaten Niveau der Vor-Pandemie-Zeit bewegt – und damit nur halb so stark wächst wie während des Schubs von 2021, der den Inflationsschock von 2022 auslöste –, erscheint uns die Logik hinter dem jüngsten Schwenk der RBA nicht schlüssig.[xvii] Dennoch halten wir die Sorge vor einer übermässigen Straffung zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht. Wir bezweifeln, dass eine einzelne Zinserhöhung bereits eine solche Wirkung entfaltet. Da künftige geldpolitische Schritte derzeit ungewiss sind – und das Wachstum ohnehin erst mit grosser Zeitverzögerung beeinflussen –, bleibt Anlegern unserer Erfahrung nach genügend Zeit, diese zu bewerten, sollten sie tatsächlich eintreten.
[i] Quelle: EZB, Bank of England und RBA, Stand: 10.02.2026.
[ii] Quelle: RBA, Stand: 03.02.2026.
[iii] «Monetary Policy Decision», Michele Bullock, RBA, 03.02.2026.
[iv] Ebd.
[v] Quelle: FactSet, Stand: 10.02.2026.
[vi] Ebd. MSCI Australia, Rendite mit Bruttodividenden, 07.05.2002 – 05.03.2008. Dargestellt in australischem Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem australischen Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[vii] Ebd. Dargestellt in australischem Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem australischen Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[viii] Ebd. MSCI Australia, Rendite mit Bruttodividenden, 06.10.2009 – 03.11.2010. Dargestellt in australischem Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem australischen Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[ix] Quelle: FactSet, Stand: 10.02.2026. Die Angaben basieren auf den Renditen des MSCI World Index mit Nettodividenden, 03.01.2022 – 12.10.2022. Ein Bärenmarkt ist ein auf Fundamentaldaten beruhender Rückgang um mehr als 20 Prozent. Dargestellt in australischem Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem australischen Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[x] Quelle: FactSet, Stand: 10.02.2026. MSCI Australia, Rendite mit Bruttodividenden, 03.05.2022 – 08.11.2023. Dargestellt in australischem Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem australischen Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[xi] Quelle: RBA, Stand: 10.02.2026.
[xii] Quelle: FactSet, Stand: 10.02.2026. MSCI Australia, Rendite mit Bruttodividenden, 03.05.2022 – 18.02.2025. Dargestellt in australischem Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem australischen Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[xiii] «Review of the RBA’s Approach to Forward Guidance», Redaktion, RBA, 15.11.2022.
[xiv] Quelle: FactSet, Stand: 10.02.2026. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist eine von einer Regierung veröffentlichte Kennzahl für die Wirtschaftsleistung.
[xv] Quelle: RBA, Stand: 10.02.2026.
[xvi] «Inflation: Causes and Consequences», Milton Friedman, Rede im Asia Publishing House für den Council of Economic Education, Februar 1963.
[xvii] Quelle: RBA, Stand: 10.02.2026.
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