Individuelle Vermögensverwaltung / Wirtschaft

BIP-Stagnation im Januar nährt Zweifel

Teaser: Nach Veröffentlichung des jüngsten BIP bleibt die Marktstimmung eingetrübt.

Nachdem das monatliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Januar stagnierte, wachsen in Großbritannien und Nordirland wieder die Sorgen vor einer Rezession.[i] Marktanalysen prognostizieren eine Eintrübung der Wirtschaftslage und insbesondere einen starken Inflationsanstieg, da die Ölpreise wegen des Nahostkonflikts voraussichtlich steigen werden. Wer jedoch das aktuelle Umfeld mit der jüngeren Vergangenheit gleichsetzt, dürfte einige wichtige Unterschiede übersehen. Aus unserer Sicht wirken unbegründete Ängste weiterhin nach – ein Grund für uns, positiv gestimmt zu bleiben.

Betrachten wir zunächst die Zahlen: im Januar stagnierte das monatliche BIP im Vereinigten Königreich und beendete damit eine zweimonatige Wachstumsphase.[ii] Während der Bausektor im Monatsvergleich um 0,2 Prozent zulegte, sank die Produktion um 0,1 Prozent und der Dienstleistungssektor, der größte Bereich der Wirtschaft im Vereinigten Königreich (UK), entwickelte sich seitwärts.[iii] Im Dienstleistungssektor legten der Einzel- und Großhandel im Monatsvergleich jeweils um 1,8 Prozent und um 1,1 Prozent zu. Als belastend für die Wirtschaftsleistung erwiesen sich sonstige administrative und unterstützende Dienstleistungen (-2,3 Prozent), da die Beschäftigungsaktivitäten (-5,7 Prozent) das Gesamtwachstum um 0,06 Prozentpunkte minderten.[iv]

Alle politischen Parteien reagierten unseren Beobachtungen nach pessimistisch auf die Daten und machten nahezu einhellig die Politik der britischen Finanzministerin Rachel Reeves dafür verantwortlich. Es überraschte uns daher wenig, dass eine Tory-nahe Zeitschrift schrieb, die Labour-Finanzministerin habe das „Wachstum im Keim erstickt“.[v] Doch selbst ein eher Labour-freundliches Medium bezweifelte, dass Reeves Politik „die Wirtschaft stärken kann, um künftige Herausforderungen im Vereinigten Königreich zu bewältigen.“[vi] Wie wir festgestellt haben, prognostizieren einige Experten infolge des jüngsten Ölpreisschocks eine hohe Inflation und halten sogar eine Rezession für möglich.

Anstatt jedoch das Schlimmste zu befürchten, empfiehlt es sich für Anleger, die Lage nüchtern zu betrachten. Monatsdaten unterliegen oft Schwankungen. Im vergangenen Jahr schrumpfte das UK-BIP im Monatsvergleich in 6 von 12 Monaten. Diese Einbrüche hatten jedoch keine Rezession zur Folge.[vii] Um kurzfristige Schwankungen zu erfassen, stellt das dortige Statistikamt Office for National Statistics zudem einen Drei-Monats-Trend bereit. Auf dieser Grundlage stieg das inflationsbereinigte BIP des Vereinigten Königreichs in den drei Monaten bis Januar um 0,2 Prozent, nachdem es in den drei Monaten bis Dezember um 0,1 Prozent zugelegt hatte.[viii] Zur weiteren Verdeutlichung weisen wir auf Folgendes hin: Das monatliche BIP ging im Januar nicht zurück. Angesichts der Schlagzeilen können wir zwar nachvollziehen, dass Leser von einer Schrumpfung des UK-BIP ausgehen. Tatsächlich verharrte das BIP jedoch lediglich auf dem gleichen Niveau, da sich starke und schwächelnde Bereiche gegenseitig ausglichen.

Neben möglichen Korrekturen des BIP, die unseren Analysen nach gängige Praxis sind, weisen jüngste Faktoren auf eine anhaltende Geschäftsaktivität im Vereinigten Königreich hin. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (PMI) der Daten- und Analysegesellschaft S&P Global UK, der Aktivitäten im Bereich Dienstleistungen und verarbeitendes Gewerbe bündelt, lag im Januar und im Februar unverändert bei 53,7.[ix] Der UK-Dienstleistungsindex schnitt mit 53,9 (Stand Januar: 54,0) etwas besser als der Gesamtindex ab.[x] (Ein Ergebnis über 50 weist auf eine Expansion hin.) Die PMIs basieren auf einer monatlichen Umfrage, die die Intensität des Wachstums misst und nicht dessen Umfang. Die Indizes geben keinen Aufschluss über das Ausmaß des Wachstums, sondern liefern einen aktuellen Konjunkturüberblick. Aus unserer Sicht zeigen die Ergebnisse, dass private Unternehmen im größten britischen Wirtschaftssektor insgesamt wachsen.[xi] Nach den vorliegenden Daten wirkt die Behauptung, die Wirtschaft Großbritanniens und Nordirlands stecke seit Jahresanfang in einer Notlage, daher weit übertrieben.

Laut Berichterstattung gilt die Hauptsorge einem erneuten Anstieg der Inflation durch steigende Energiepreise. Es besteht jedoch kein Grund zur Panik. Zwar hat der Nahostkonflikt die Rohölpreise und folglich die Spritpreise weltweit kurzfristig in die Höhe getrieben, was den Kauf von nicht Nicht-Basiskonsumgütern etwas dämpfen könnte.[xii] Unsere Analysen zeigen jedoch, dass höhere Preise an der Zapfsäule kein makroökonomischer Belastungsfaktor für den privaten Konsum insgesamt sind.

Gaspreise beeinflussen die Stromkosten britischer Haushalte, da ein Drittel des Gesamtstroms in Großbritannien und Nordirland in Gaswerken entsteht – mehr als durch jede andere Energiequelle.[xiii] Steigende Gaspreise können daher die Energierechnungen für britische Haushalte verteuern. Das wäre ein potenziell entmutigender Rückschlag, da die Energiepreisobergrenze im Vereinigten Königreich im kommenden Monat sinken soll. Einige Experten gehen indessen davon aus, dass die Energierechnung eines durchschnittlichen britischen Haushalts ab Juli um 10 Prozent steigen könnte.[xiv] Ofgem, die Regulierungsbehörde für Energiepreise, berechnet die Preisobergrenze jedoch anhand von Großhandelspreisen über einen Drei-Monats-Zeitraum. Wie hoch die Kosten letztlich ausfallen, hängt davon ab, wie lange die Gaspreise auf hohem Niveau verharren.[xv] Prognosen dazu sind unseres Erachtens derzeit nicht möglich. Unsere historische Analyse zeigt jedoch, dass die Ölpreise schnell fallen könnten, wenn die Märkte von einer raschen Beilegung des Konflikts ausgehen.

In Bezug auf die allgemeinen Inflationsängste halten wir es für unwahrscheinlich, dass sich die Situation von 2022 wiederholt. Britische Verbraucher müssen möglicherweise höhere Preise an der Tankstelle oder für Energie bezahlen. Wir glauben aber nicht, dass es in der gesamten Wirtschaft zu Preissteigerungen wie in den früheren Jahren dieses Jahrzehnts kommen wird. Unsere Analysen zeigen: Die hohe Inflation Anfang der 2020er Jahre wurde durch einen starken Anstieg der Geldmenge weltweit und einer Wirtschaft im Lockdown verursacht. Eine hohe Geldmenge traf auf ein knappes Angebot an Waren und Dienstleistungen – ein klassisches Szenario aus dem Lehrbuch der Geldpolitik, das die Inflation befeuert.[xvi] Aktuell sehen wir diese Bedingungen nicht gegeben.

Das erneute Gerede über steigende Inflation in Großbritannien und Nordirland erinnert uns an die Schuldenkrise in der Eurozone. Diese Krise belastete die Marktstimmung in Europa noch lange nach ihrem Ende und hinterließ Spuren bei Anlegern. Auch die Inflationsbekämpfung gehört der Vergangenheit an. Wir halten die aktuelle Angst vor Inflation für unbegründet und werten sie als bullishes Signal. Die überwiegend negative Reaktion auf ein stagnierendes (nicht schrumpfendes!) britisches BIP ist ein weiterer Beleg für die Rückkehr von Ängsten und Skepsis an den Märkten. Diese dienen als zusätzliche Bausteine für die sprichwörtliche Mauer der Angst, die Bullenmärkte erklimmen.



[i] Quelle: Office for National Statistics, Stand: 16.03.2026. Eine Rezession bezeichnet einen Zeitraum, indem die Wirtschaftsleistung schrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein von der Regierung erstellter Maßstab für die Wirtschaftsleistung.
[ii] Ebd.
[iii] Ebd.
[iv] Ebd.
[v] „Reeves Has Killed Growth and the Bank of England Can’t Save Her“, Eir Nolsøe, Telegraph, 13.03.2026. Abgerufen über Yahoo! Finance
[vi] „Bleak Economic Data Shows UK Plc in Trouble Well Before Middle East Crisis“, Heather Stewart, The Guardian, 13.03.2026.
[vii] Siehe Fußnote i.
[viii] Ebd.
[ix] Quelle: FactSet, Stand: 16.03.2026.
[x] Ebd.
[xi] Siehe Fußnote i.
[xii] „‘Daylight Robbery’: M1 Drivers Boggle at the Rising Price of Fuel“, Angus Young, The Guardian, 14.03.2026.
[xiii] „The Role of Gas in Generating Electricity“, Energy UK, abgerufen am: 16.03.2026.
[xiv] „Will the Iran War Affect my Energy Bills? Here’s What We Know“, James Hockaday und Natalie Marchant, Yahoo! News, 16.03.2026.
[xv] Ebd.
[xvi] Quelle: Bank of England und Office for National Statistics, Stand: 18.02.2026. Änderung der M4-Geldmenge im Vergleich zum Vorjahr (ohne zwischengelagerte Offshore-Finanzzentren) und britischer CPIH, Januar 2016 – Dezember 2025. M4 misst die Geldmenge, während der CPIH Preisänderungen bei Waren und Dienstleistungen in der gesamten Wirtschaft misst.


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