Individuelle Vermögensverwaltung / Marktanalysen

Der Rückgang des US-Dollars lässt sich im historischen Vergleich besser einschätzen

Unseres Erachtens entwickelt sich der Dollar nicht so schwach wie viele darlegen.

Immer mal wieder stolpern wir über eine Entwicklung an den Finanzmärkten, die unserer Ansicht nach von den meisten Kommentatoren fehlinterpretiert wird, unabhängig davon, ob sie diese Entwicklung als positiv oder negativ für die Märkte erachten. Unserer Erfahrung nach ist dies oftmals in Bezug auf den US-Dollar (oder Währungsschwankungen im Allgemeinen) der Fall. Diese Beobachtung machten wir auch vergangene Woche wieder, als die Schlagzeilen ein Vier-Jahres-Tief des US-Dollars gegenüber einem Korb an wichtigen Währungen verkündeten.[i] Die einen sehen darin Anzeichen für einen Vertrauensverlust der Marktteilnehmer in die US-Währung und die US-Märkte im Allgemeinen, der die US-Wirtschaft sowie den (unseres Erachtens überhypten) Status des Dollars als Reservewährung gefährdet. Die anderen halten dies für eine sehr positive Entwicklung, welche die US-Exporte ankurbeln und das Handelsdefizit (Überschuss der Importe gegenüber den Exporten) mindern dürfte. Ein kurzer Blick auf die jüngste Vergangenheit zeigt unseres Erachtens jedoch, dass beide Lager falsch liegen. Wir halten die Schwankungen des Dollars für weitgehend unbedeutend für die Aktienmärkte.

Zum einen sind wir, trotz der Tatsache, dass in einigen Publikationen von einem freien Fall oder Ähnlichem die Rede ist, nicht der Ansicht, dass der Dollar tatsächlich eine Talfahrt verzeichnet oder sich übermäßig schwach entwickelt. Das aktuelle Niveau als „Vier-Jahres-Tief“ zu betiteln, ist in unseren Augen ebenso unsinnig wie auch bezeichnend, wenn man bedenkt, dass vier Jahre keine lange Zeit sind. Verzeichnet der Dollar ein Vier-Jahres-Tief, bedeutet dies, dass er sich irgendwann in jüngerer Vergangenheit auf einem noch tieferen Stand bewegt hatte.

Anstatt auf willkürliche Vergleichspunkte sollte der Blick unserer Meinung nach auf die Entwicklung in der Vergangenheit gerichtet werden, um einen genaueren Eindruck darüber zu gewinnen, ob sich der Dollar tatsächlich schwach entwickelt oder nicht. Dies haben wir in Darstellung 1 getan, die den US-Dollar-Index auf Sicht der vergangenen 40 Jahre abbildet. Daran wird deutlich, dass sich der Dollar über lange Zeiträume hinweg unter den heutigen Niveaus bewegt hat. Und in vielen dieser Zeiträume florierten die US-amerikanische Wirtschaft und die dortigen Märkte.[ii] Für die 1990er-Jahre geht aus den historischen Aufzeichnungen keine Dollar-Krise hervor, sondern vielmehr eine starke Wirtschaftsexpansion und ein Boom an den globalen Aktienmärkten im Zuge der Verbreitung des Internets und der Zugewinne bei Technologieaktien.[iii]

Darstellung 1: Der Rückgang des Dollars im Kontext

Quelle: FactSet, Stand: 28.01.2026. US-Dollar-Index, 27.01.1986 – 27.01.2026.

Vielmehr sind wir der Ansicht, dass sich der Dollar aktuell auf einem recht durchschnittlichen Niveau bewegt. Er liegt mit 96,217 derzeit nur einen Tick über dem arithmetischen Mittel dieses 40-Jahre-Zeitraums von durchschnittlich 93,210.[iv]

Kann hier also von Schwäche gesprochen werden? Unseres Erachtens liegt so etwas immer im Auge des Betrachters. Lassen Sie uns also auf das dritte Quartal 2016 zurückblicken, als sich der Dollar über weite Strecken auf oder unter den aktuellen Niveaus bewegte, und sehen, wie sich die Marktmeinung damals gestaltete. Zu diesem Zweck werfen wir einen Blick auf die Telefonkonferenzen der Unternehmen zur Berichtssaison für das dritte Quartal 2016, um einen Eindruck darüber zu erlangen, wie die Unternehmensleiter die Währungseffekte damals beschrieben. Aus unserer Analyse geht hervor, dass der Dollar zur damaligen Zeit als stark wahrgenommen wurde! So machten mehrere Unternehmen den starken Dollar für Gewinn- oder Umsatzeinbußen verantwortlich. Andere führten ihn wiederum als Grund für positive Ergebnisse an. Und wieder andere bescheinigten der US-Währung eine neutrale Wirkung. FactSet stellt ein Tool zur Verfügung, mit dem sich Schlagwörter in Abschriften von Telefonkonferenzen zur Ergebnisveröffentlichung suchen lassen. Dies nutzten wir für den Zeitraum vom 01. Oktober 2016 bis zum 31. Dezember 2016 – der im Prinzip der Berichtssaison für das dritte Quartal 2016 entspricht. In diesem Zeitraum wurde in 118 Telefonkonferenzen ein starker Dollar erwähnt.[v] Für die Suche nach einem schwachen Dollar erhielten wir 22 Treffer, die sich aber allesamt auf den kanadischen Dollar bezogen.

Wir könnten den Dollar nun als Schrödingers Katze bezeichnen und uns anderen Dingen zuwenden. Unserer Ansicht nach hinken jedoch alle Analogien, und es gibt durchaus einige relevante Daten, die Erwähnung finden sollten. Denn unserer Erfahrung nach kommt es nicht auf das Niveau des Dollars an, sondern darauf, wie schnell er abwertet. Doch auch dies scheint uns keine Neuheit zu sein. Unserer Analyse der historischen Daten zufolge ist es recht normal für den Dollar, zu Beginn der Amtszeit eines republikanischen US-Präsidenten nachzugeben. Und der Dollar bildet diese Entwicklung während der ersten Amtszeit von Präsident Trump dieses Mal schon beinahe unheimlich genau ab, wie aus Darstellung 2 hervorgeht.

Darstellung 2: Déjà-vu beim Dollar

Quelle: FactSet, Stand: 28.01.2026. Die abgedeckten Zeiträume sind 31.12.2016 – 31.12.2018 und 31.12.2024 – 27.01.2026.

Einige Kommentatoren schenkten der Entwicklung des Dollars damals gewisse Beachtung, aber nicht in dem übertriebenen Maße wie es heute der Fall ist. Dies deutet unseres Erachtens darauf hin, dass die aktuellen Bedenken vielmehr dem soziopolitischen Umfeld als der tatsächlichen Entwicklung des Dollars geschuldet sind.[vi] Dabei handelt es sich in unseren Augen um eine Stimmungsfrage, die zudem von Voreingenommenheit geprägt ist, was Anleger zu reflexartigen Reaktionen und unüberlegten Entscheidungen verleiten kann. Wir halten dies eher für einen Anreiz, eine Überprüfung vorzunehmen, als für ein tatsächliches Anzeichen dafür, dass sich das Finanzumfeld aktuell besonders schlecht gestaltet.

Das soll nicht bedeuten, dass wir die Abwertung des Dollars als starken Positivfaktor erachten. In einigen Schlagzeilen ist die Rede davon, dass Trump und andere den Rückgang des Dollars als einen Segen für die Exporte und einen Garant für ein geringeres Haushaltsdefizit feiern.[vii] Die Handelslücke ist unseres Erachtens nebensächlich, zumal sich die US-Wirtschaft (wie auch andere Volkswirtschaften) über Jahrzehnte hinweg trotz Haushaltsdefizit gut entwickelt hat.[viii] Historisch gesehen ging mit steigenden Haushaltsdefiziten oftmals ein zunehmender Wohlstand einher, während ein nachlassendes Haushaltsdefizit häufig von Rezessionen und äußerst schlechten Zeiten flankiert war.[ix] Unsere Analysen legen nahe, dass ein geringeres Handelsdefizit ein Symptom und keinen Auslöser einer Rezession (rückläufige Nachfrage) darstellt. Der Trend widerspricht aber dennoch der gängigen Meinung.

Von all diesen Aspekten einmal abgesehen, bleibt jedoch folgende Frage bestehen: Sorgt ein schwächerer Dollar tatsächlich für höhere Exporte und ein niedrigeres Handelsdefizit? Zahlreichen Kommentatoren zufolge trifft diese Aussage zu, da ein schwächerer Dollar bei ansonsten gleichen Bedingungen bedeutet, dass US-Exporte ins Ausland günstiger und Importe teurer werden, was die Exporte in der Theorie ankurbeln und die Importe verringern dürfte. Die reale Entwicklung gestaltet sich allerdings oftmals anders. Basierend auf unseren Analysen entscheiden sich Exporteure zuweilen, die Preise im Ausland nicht zu senken und stattdessen den Wechselkurs zu nutzen, um die Gewinne zu steigern. Manchmal sind sie auf diese zusätzlichen Einnahmen angewiesen, um die höheren Kosten für importierte Teile und Arbeitskraft, die eine Nebenwirkung eines schwächeren Dollars sind, auszugleichen. Und oftmals nehmen sie ohnehin Absicherungen gegen Währungsschwankungen vor, was einen Großteil dieser theoretischen Annahmen hinfällig macht.

Ungeachtet des Grunds geht unseres Erachtens aus Darstellung 3 deutlich hervor, dass keine feste Beziehung zwischen dem Dollar und dem US-Handelsdefizit besteht. Seit Beginn der Aufzeichnung monatlicher US-Handelsdaten im Jahr 1992 ist das Handelsdefizit über lange Zeiträume mit Ab- und Aufwertung des Dollars hinweg gewachsen. Somit stellt dies für uns keinen ausschlaggebenden Faktor dar.

Darstellung 3: Der Dollar und das Handelsdefizit

Quelle: FactSet, Stand: 04.02.2026.

Die größte Aussagekraft hat der Dollar unserer Ansicht nach als ein Stimmungsbarometer. Unseren Beobachtungen zufolge warnen die Finanzkommentatoren bei Schwankungen des Dollars fast immer vor Problemen – und zwar unabhängig davon, ob die Währung auf- oder abwertet. Ein schwächerer Dollar sorgt in der Regel für alarmierende Schlagzeilen (wie sie aktuell zu lesen sind), flankiert von Warnungen vor einer importierten Inflation in den USA. Bei einem starken Dollar wird hingegen für gewöhnlich befürchtet, dass die schwache Exportentwicklung die Wirtschaft und den Aktienmarkt belastet. Dass der Optimismus in Bezug auf den Dollar aktuell mit Bedenken durchsetzt ist, stellt für uns ein weiteres Anzeichen dafür dar, dass sich die Marktstimmung deutlich aufgehellt hat. Dabei deuten die latenten Sorgen im Hinblick auf den Dollar darauf hin, dass sie noch keine Euphorieniveaus erreicht hat. Allerdings steht der zunehmende Optimismus weitgehend im Einklang mit der Spätphase eines Bullenmarkts, die unseres Erachtens nach wie vor ein solides Umfeld für gute Renditen bei globalen Aktien bietet.[x]


[i] „US Dollar Sinks to Its Lowest Level in Four Years“, Joanna Partridge, The Guardian, 28.01.2026.
[ii] Quelle: FactSet, Stand: 28.01.2026. Aussage basiert auf dem vierteljährlichen Wachstum des US-Bruttoinlandsprodukts und der Gesamtrendite des S&P 500 in USD, 31.12.1985 – 31.12.2025. Die Renditen sind in US-Dollar angegeben. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar, der Deutschen Mark und dem Euro können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist eine von einer Regierung veröffentlichte Kennzahl für die Wirtschaftsleistung.
[iii] Ebd. Aussage basiert auf dem globalen jährlichen BIP-Wachstum, 1990 – 1999, sowie dem MSCI World Index und dem MSCI World Information Technologie Index, Rendite mit Nettodividenden, in Deutsche Mark, 31.12.1989 – 31.12.1998, und in Euro, 31.12.1998 – 31.12.1999.
[iv] Ebd. US-Dollar-Index, 27.01.1986 – 27.01.2026.
[v] Ebd.
[vi] „Why Is the US Dollar Falling?“ Redaktion, BBC, 11.08.2017.
[vii] Siehe Fußnote i.
[viii] Siehe Fußnote ii.
[ix] Quelle: FactSet, Stand: 28.01.2026. Aussage basiert auf dem vierteljährlichen Wachstum des US-BIP und der monatlichen US-Handelsbilanz, vierteljährlich, 31.12.1992 – 28.01.2026. Man spricht von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung über einen bestimmten Zeitraum hinweg schrumpft.
[x] Ein Bullenmarkt ist eine lange Phase allgemein steigender Aktienkurse.


Dieser Artikel spiegelt die Meinungen, Standpunkte und Kommentare der MarketMinder-Redaktion von Fisher Investments Asset Management, LLC wider, die sich jederzeit und ohne Vorankündigung ändern können. Die Bereitstellung von Marktinformationen dient lediglich der Veranschaulichung sowie zu Informationszwecken. Die Inhalte dieses Artikels stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf eines bestimmten Wertpapiers dar und treffen keine Aussage darüber, ob eine bestimmte Transaktion oder Anlagestrategie für eine bestimmte Person geeignet ist.

Die Fisher Investments GmbH ist ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) reguliertes und beaufsichtigtes Wertpapierinstitut. Sie verfügt über die Erlaubnis, Wertpapierdienstleistungen mit dem Kerngeschäftsfeld der Finanzportfolioverwaltung in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erbringen. Gebundene Vermittler welche der Fisher Investments GmbH Kunden mit Wohnsitz Schweiz vermitteln, werden von der Fisher Investments Schweiz GmbH überwacht. Die Fisher Investments GmbH hat die fortlaufenden Entscheidungen zur Anlagestrategie auf ihre Muttergesellschaft, Fisher Asset Management, LLC, ausgelagert, die ihren Sitz in den USA hat und von der US-Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission) beaufsichtigt wird. Die Fisher Investments GmbH, Fisher Asset Management, LLC, sowie weitere Unternehmen der Gruppe erbringen ihre Wertpapierdienstleistungen unter der Bezeichnung „Fisher Investments”.

Die enthaltenen Börsen- und Wirtschaftsinformationen sowie sämtliche Veröffentlichungen in unserem Namen dienen ausschließlich zur Information und stellen weder eine Abgabe einer individuellen Anlageempfehlung in Bezug zu Geschäften mit bestimmten Finanzinstrumenten (Anlageberatung) noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Derivaten oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Die Ausarbeitung spiegelt die allgemeine Meinung der Fisher Investments GmbH oder der Fisher Asset Management, LLC wider und darf nicht als persönliche Anlageempfehlung oder als eine Reflektion der Performance der Fisher Investments GmbH, der Fisher Asset Management, LLC oder ihren Kunden betrachtet werden. Eine Wertpapieranlage ist mit Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Die Renditen der Vergangenheit sind niemals eine Garantie für zukünftige Renditen. Investitionen in ausländische Aktienmärkte sind mit zusätzlichen Risiken wie Währungsschwankungen verbunden. Die Preise der Produkte (Anteile, Wertpapiere, Derivate oder sonstige Finanzinstrumente) können sowohl steigen als auch fallen. Auch Erträge (Dividenden, Zinsen usw.) können nicht zugesichert oder garantiert werden. Unter Umständen erhalten Sie nicht den gesamten investierten Betrag zurück. Die in unseren Publikationen zum Ausdruck gebrachten Meinungen, Einschätzungen und Sichtweisen können sich ohne vorherige Ankündigung ändern. Die Fisher Investments GmbH oder Fisher Asset Management, LLC übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Fehlerfreiheit der bereitgestellten Informationen oder Ergebnisse.

© Fisher Investments GmbH.

A couple talk with a business woman inside of an office with glass walls

Sie stellen sich Ihre Zukunft vor. Wir helfen Ihnen, sie zu erreichen.

Sind Sie bereit für den nächsten Schritt zu einer besseren finanziellen Zukunft?

Märkte verändern sich ständig – was bedeutet das für Sie?

Profitieren Sie von strategischen Einblicken, konkreten Empfehlungen und unserer Einschätzung zur zukünftigen Marktentwicklung.

Kontakt

Erfahren Sie, weshalb uns 195.000 Kunden ihr Geld zur Verwaltung anvertraut haben und wie wir Ihnen möglicherweise helfen können, Ihre Anlageziele zu erreichen.

Stand der Informationen: 31.12.2025. Einschließlich Fisher und seinen Tochtergesellschaften, darunter auch Fisher Investments.

Fragen zu Fisher Investments? Rufen Sie uns an.

+49 6374 9911-0

Kontaktieren Sie uns noch heute