Individuelle Vermögensverwaltung / Politik

Politische Erkenntnisse aus dem Jahr 2025 für 2026

Es sollte nicht angenommen werden, dass eine bestimmte Politik oder ein bestimmter Politiker unmittelbare Auswirkungen auf Aktien oder Sektoren haben wird.

Redaktioneller Hinweis: Fisher Investments GmbH ist unparteiisch. Wir unterstützen weder einen Politiker noch eine politische Partei und bewerten Ereignisse ausschließlich nach ihren wirtschaftlichen und marktbezogenen Auswirkungen.

Unabhängig davon, wie umfangreich sie ausfallen – auf politische Veränderungen folgt unseren Beobachtungen zufolge stets eine wahre Flut an Kommentaren. Oftmals plädieren diese Analysen unserer Erfahrung nach für ein Engagement bei den wahrgenommenen Gewinnern dieser Veränderung, wobei davon ausgegangen wird, dass die beabsichtigte Wirkung der politischen Maßnahmen den Unternehmen, die augenscheinlich davon profitieren dürften, deutlichen Auftrieb verleiht. Dies kann zwar durchaus der Fall sein. Unsere Analysen zeigen aber, dass dies oftmals nicht zutrifft und stattdessen das genaue Gegenteil eintritt. Entweder die politischen Maßnahmen haben nicht die erwartete Wirkung, oder die Euphorie unter den Anlegern erweist sich als übertrieben. Wir bezeichnen dieses Phänomen als das „Perverse Inverse“, für das sich 2025 einige Beispiele fanden.

Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass es keine politische Partei oder Ideologie gibt, die grundsätzlich als vorteilhafter für die Märkte zu werten wäre. Allerdings kann sich die Stimmung auf die Renditen auswirken, vor allem in Jahren mit Wahlen und Amtseinführungen. In Amerika wird die Republikanische Partei unseren Beobachtungen zufolge von der Mehrheit der Anleger als unternehmensfreundlich wahrgenommen. Gewinnt also ein republikanischer Kandidat die Präsidentschaftswahlen, erhalten Aktien oftmals Auftrieb durch den Optimismus infolge der Erwartung einer potenziell unternehmensfreundlichen Politik.[i] Die Renditen sinken aber in der Regel wieder in dem Jahr, in dem der republikanische Präsident sein Amt antritt, da sich die Realität oftmals nicht so rosig gestaltet wie erhofft.[ii] Nach unseren Erkenntnissen kann dies auf Ebene des breiten Marktes oder aber in spezifischen Kategorien oder Anlageklassen auftreten. Ein reales Beispiel für das „Perverse Inverse“ besteht darin, dass einige Marktanalysten prognostizierten, dass die „America First“-Politik von US-Präsident Donald Trump für eine Führerschaft der USA sorgen würde. Dass andere Länder als die USA 2025 die Marktführung innehatten, spricht jedoch eindeutig dagegen.[iii]

Man bedenke: Trump trat sein Amt im Januar an und machte dabei zahlreiche Wirtschaftsversprechen. So wurde in den Finanzpublikationen beispielsweise angeführt, dass die kryptofreundliche Agenda der Regierung Trump der Kryptowährungs-Branche und Krypto-Coins wie dem Bitcoin zugutekommen würde.[iv] Krypto-Coins zogen zunächst aufgrund des Optimismus an, und viele Finanzanalysten waren sich sicher, dass weitere Zugewinne folgen würden.[v] Die Regierung hat zwar gewisse Gesetze erlassen. Die Realität wird den überzogenen Erwartungen unseres Erachtens allerdings nicht gerecht, und der Bitcoin – die Vorzeige-Kryptowährung – hat seine Zugewinne wieder abgegeben und verzeichnet bezogen auf den Zeitraum seit Jahresbeginn ein Minus.[vi]

Ein ähnliches Bild zeichnete sich unserer Ansicht nach bei Energieunternehmen mit Bezug zu fossilen Brennstoffen. Zahlreiche Beobachter gingen davon aus, dass es durch die Abkehr von den unter dem ehemaligen Präsidenten Joe Biden geförderten Subventionen für erneuerbare Energie und das Engagement Trumps für die Ölbranche zu einem Boom bei globalen Energieaktien (von denen die meisten einen Bezug zu fossilen Brennstoffen aufweisen) kommen würde.[vii] Globale Energiewerte verzeichnen seit Jahresbeginn jedoch lediglich ein Plus von 0,2 Prozent, womit sie hinter den breiteren Märkten zurückbleiben.[viii] Indes erzielten erneuerbare Energien (gemessen am S&P Global Clean Energy Transition Index) Zugewinne von 30,1 Prozent und übertrafen damit die breiteren Märkte – und das trotz der vermeintlich ablehnenden Haltung der Regierung Trump.[ix]

Im Nachhinein betrachtet ergaben einige der gehypten Anlagethemen von vornherein nicht sehr viel Sinn. Als Argumente für Kryptowährungen führen deren Verfechter unseren Untersuchungen zufolge beispielsweise an, dass die dezentralisierte Natur dieser Anlageklasse einen Vorteil und keinen Nachteil darstellt. Warum also sollten dann zusätzliche Vorschriften positiv für einen Vermögenswert sein, dessen Reiz gerade darin besteht, dass er nicht Gegenstand der staatlichen Regulierung ist? Zugegeben, sie könnten zusätzliche Nachfrage nach Coins generieren. Sie könnten unseres Erachtens aber auch genauso gut für ein höheres Angebot und mehr Derivate sorgen. Was die Förderung weiterer Ölbohrvorhaben anbelangt, so stellt sich die Frage, wieso dies angesichts des globalen Überangebots positiv für Energiewerte sein sollte.[x] Diese Logik wird im Zuge der anfänglichen Euphorie im Hinblick auf die vermeintliche politische Unterstützung aber scheinbar oftmals außer Acht gelassen.

Darüber hinaus stellt das „Perverse Inverse“ unseren Erkenntnissen zufolge kein rein US-amerikanisches Phänomen dar. Auch in Deutschland zeichnet sich eine vergleichbare Entwicklung ab. Anfang 2025 feierten die Schlagzeilen die Ausgabenpläne des neuen Bundeskanzlers Friedrich Merz, wobei damit argumentiert wurde, dass die höheren Staatsausgaben dem stagnierenden Bruttoinlandsprodukt (BIP, eine von einer Regierung veröffentlichte Kennzahl für die Wirtschaftsleistung) Deutschlands Auftrieb verleihen würden. Wir hegten Zweifel an dieser Prognose, da sich Staatsausgaben laut unseren Analysen nicht zwangsläufig positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Es dauert in der Regel eine gewisse Zeit, bis die in Aussicht gestellten Ausgaben tatsächlich getätigt werden (falls überhaupt) und das ist auch in Deutschland der Fall. Obschon Merz den Posten des Bundeskanzlers Anfang März übernahm, wurde der Bundeshaushalt erst Mitte September angenommen. Und im Bundestag werden bereits hitzige Debatten über den Haushalt für 2026 sowie künftige Ausgabenpläne geführt, wobei die Oppositionspolitiker bezweifeln, dass genügend Geld direkt bei den Bürgern ankommen wird.[xi]

Zahlreiche Experten haben ihre Erwartungen hinsichtlich des Auftriebs, den die Staatsausgaben dem BIP verleihen dürften, bereits nach unten korrigiert. Laut der jüngsten Prognose der Bundesbank sind zwar schon jetzt „erste Anzeichen eines Anstiegs der Regierungsaufträge“ erkennbar, mit wesentlichen daraus resultierenden Vorteilen ist jedoch frühestens Ende 2026 zu rechnen.[xii] Darüber hinaus geht die Bundesbank davon aus, dass die Staatsausgaben „das Produktionspotenzial der deutschen Wirtschaft nur begrenzt beeinflussen werden“, und in Ermangelung struktureller Reformen dürfte sich das potenzielle Produktionswachstum auf absehbare Zeit lediglich auf 0,4 Prozent belaufen.[xiii] Langfristige Prognosen sagen nichts über die tatsächliche Entwicklung in der Zukunft aus, und das potenzielle BIP ist unseres Erachtens ein rein theoretisches Konstrukt, das nichts mit der Realität zu tun hat.[xiv] Bezeichnend ist unserer Ansicht nach jedoch, wie rasch sich die Konsensstimmung im Vergleich zum Jahresbeginn eingetrübt hat.

Unseres Erachtens haben deutsche Aktien diese staatliche Hilfe aber nie wirklich nötig gehabt. Obschon Deutschland als „ der kranke Mann Europas“ galt, fiel die wirtschaftliche Entwicklung des Landes weitgehend unspektakulär aus, was das BIP oder die Aktien des Landes jedoch nicht davon abgehalten hat, insgesamt zuzulegen. Nach der Rezession und dem Bärenmarkt im Jahr 2022, in dessen Zuge deutsche Aktien von Mitte November 2021 bis Ende September 2022 um 30,0 Prozent nachgegeben hatten, erholten sich die Aktienmärkte im Land allmählich wieder, da die Marktteilnehmer unseres Erachtens erkannten, dass nicht mit einem jahrelangen deutlichen Konjunkturabschwung zu rechnen ist.[xv] Deutsche Aktien haben ihre Aufwärtsbewegung in diesem Jahr fortgesetzt und um 20,2 Prozent hinzugewonnen und damit die Entwicklung in der Eurozone (23,8 Prozent) nachgebildet und globale Aktien (7,3 Prozent) hinter sich gelassen – und das obschon der Großteil der angekündigten Ausgaben noch nicht getätigt wurde.[xvi] Wenn ein Bullenmarkt und eine Expansion über drei Jahre lang ohne wesentliche staatliche Unterstützung anhalten können, dann stellt sich für uns die Frage, warum das Ausgabenpaket von Bundeskanzler Merz gerade jetzt für die Wirtschaft oder die Märkte notwendig sein soll.

Allgemein empfehlen wir, gängige Annahmen über den Einfluss bestimmter politischer Maßnahmen oder eines bestimmten Politikers auf eine Aktienkategorie kritisch zu hinterfragen. Denn unserer Erfahrung nach fällt die Wirkung oftmals ganz anders aus als man erwarten würde.


[i] Quelle: Finaeon, Inc., Stand: 07.03.2025. S&P 500 Total Return Index, jährliche Renditen, 1925 – 2024. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen (einschließlich historischer Währungsveränderungen) können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.
[ii] Ebd.
[iii] Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2025. Aussage basiert auf dem MSCI USA und dem MSCI EAFE Index, Renditen mit Nettodividenden, 31.12.2024 – 30.12.2025.
[iv] „How President Trump Is Sparking a Crypto Revolution in America“, Rafael Nam, NPR, 19.05.2025.
[v] „Bitcoin Hits New High Above $120,000 as US Lawmakers Begin ‘Crypto Week’“, Dylan Butts, CNBC, 14.07.2025.
[vi] Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2025.
[vii] Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2025. Aussage basiert auf den Komponenten im MSCI World Energy, Stand: 31.12.2025.
[viii] Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2025. Aussage basiert auf dem MSCI World Energy, Renditen mit Nettodividenden, und dem MSCI World Index, Renditen mit Nettodividenden, 31.12.2024 – 30.12.2025.
[ix] Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2025. Aussage basiert auf dem S&P Global Clean Energy Transition Total Return Index und dem MSCI World Index, Renditen mit Nettodividenden, 31.12.2024 – 30.12.2025.
[x] „Oil Market Report – December 2025“, Redaktion, Internationale Energieagentur, 11.12.2025.
[xi] „Germany Passes 2025 Budget Including €140 Billion in New Debt“, Redaktion, DPA, 18.09.2025. Abgerufen über Yahoo! Finance.
[xii] „Deutschland-Prognose der Bundesbank: Wirtschaft erholt sich allmählich wieder“, Redaktion, Deutsche Bundesbank, 19.12.2025.
[xiii] Ebd.
[xiv] Das potenzielle BIP ist ein wirtschaftlicher Begriff, der sich auf die maximale Wachstumsrate bezieht, die ein Land oder eine Region nach Auffassung von Ökonomen ohne eine Zunahme der Inflation erzielen kann.
[xv] Quelle: FactSet, Stand: 22.08.2025. Aussage basiert auf der Veränderung des deutschen BIP, 3. Quartal 2021 – 3. Quartal 2025, und dem MSCI Germany, Renditen mit Bruttodividenden, 17.11.2021 – 29.09.2022. Ein Bärenmarkt ist ein anhaltender, auf Fundamentaldaten beruhender Rückgang um mehr als 20 Prozent.
[xvi] Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2025. Renditen des MSCI Germany, des MSCI EMU und des MSCI World Index mit Nettodividenden, 31.12.2024 – 29.12.2025.


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