Individuelle Vermögensverwaltung / Wirtschaft

Preisschock an der Tankstelle wird der Weltwirtschaft nicht schaden

Wie sollte man den jüngsten Anstieg der Benzinpreise bewerten?

Mehr als eine Woche nach dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten rücken die nachgelagerten Auswirkungen in den von uns verfolgten Finanzpublikationen zunehmend in den Fokus, darunter ein Thema, das weltweit stets für Schlagzeilen sorgt: die Benzinpreise. Sie steigen kräftig, und von London bis Los Angeles und von Birmingham bis Berlin haben sowohl Regierungsvertreter als auch Verbraucherverbände Bedenken wegen Preisabsprachen, Gewinnmacherei und der wirtschaftlichen Auswirkungen geäußert. Wir stimmen zu, dass höhere Benzinpreise ärgerlich sind. Dennoch sollte man die Benzinpreise in Relation setzen: Unsere Analysen zeigen, dass ihre makroökonomische Wirkung begrenzt ist und sie die Aktienmärkte nicht beeinflussen.

In den USA lag der landesweite Durchschnittspreis für eine Gallone Normalbenzin am 10. März bei 3,54 US-Dollar (3,07 Euro), ein Anstieg von mehr als 43 Cent gegenüber der Vorwoche (3,12 US-Dollar bzw. 2,70 Euro) sowie um 62 Cent gegenüber dem Vormonat (2,92 US-Dollar bzw. 2,53 Euro).[i] In Deutschland meldete der ADAC, dass die durchschnittlichen Dieselpreise die 2-Euro-Marke pro Liter überschritten haben.[ii] Im Vereinigten Königreich berichteten Automobilverbände, dass die Benzinpreise seit Beginn des Konflikts um fast 5 Pence pro Liter auf 137,5 Pence (1,59 Euro) gestiegen sind, was Befürchtungen schürt, dass die Kosten für das Betanken eines Familienautos bald 100 GBP (115,92 Euro) übersteigen könnten.[iii] In Australien berichteten Automobilverbände, dass die Einwohner Sydneys 25 Cent mehr pro Liter Benzin zahlen als vor dem Nahost-Konflikt.[iv]

Wir kennen niemanden, der gerne mehr für Kraftstoff bezahlt, und die Benzinpreise stellen für viele Haushalte einen erheblichen Kostenfaktor dar. Dennoch sollte man sich ihrer relativen Bedeutung bewusst sein. Zum Beispiel haben sie nur einen geringen Einfluss auf Verbraucherpreisindizes (von der Regierung veröffentlichte Indizes, die die Preise der von den Haushalten eines Landes häufig konsumierten Waren und Dienstleistungen abbilden). Benzin macht nur 2,9 Prozent des Warenkorbs des Verbraucherpreisindex (CPI) des US-amerikanischen Bureau of Labor Statistics aus.[v] Das entspricht in etwa dem Anteil von Benzin am Warenkorb des harmonisierten CPI der Europäischen Union (2,4 Prozent) und an dem des britischen Verbraucherpreisindex, einschließlich der Wohnkosten von Eigentümern, (kurz: CPIH) (2,2 Prozent) und liegt damit geringfügig darüber, was nicht überrascht.[vi]

Nun sind der VPI, der HVPI und der CPIH keine Maßstäbe für die tatsächlichen Lebenshaltungskosten. Je nach individueller Situation kann Benzin einen größeren Anteil am monatlichen Budget ausmachen, etwa bei langen Pendelstrecken, oder einen geringeren, beispielsweise bei Nutzung eines Elektrofahrzeugs. Insgesamt macht Benzin jedoch nur einen kleinen Teil der Konsumausgaben aus (die Kategorie Wohnen, Wasser, Strom, Gas und sonstige Brennstoffe ist mit rund 15 Prozent die größte im EU-HVPI).[vii] Benzinausgaben sind zudem Teil der gesamten Konsumausgaben. In den von uns regelmäßig ausgewerteten Finanzpublikationen wird ein Anstieg der Benzin- oder Ölpreise häufig mit einer Steuererhöhung gleichgesetzt. Das ist nicht zutreffend. Die Haushalte müssen möglicherweise ihre diskretionären Ausgaben infolge höherer Preise an der Zapfsäule anpassen, das Gesamtausgabenvolumen bleibt jedoch unverändert.

Zwar sorgen steigende Preise für Schlagzeilen, doch der Anteil von Benzin an den Konsumausgaben ist heute deutlich geringer als früher. Ein historischer Vergleich anhand der langfristigen US-Datenreihe zeigt dies am Beispiel des Ölpreisschocks 1973 –1974, als arabische Mitgliedstaaten der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ein Ölembargo gegen die USA und andere westliche Länder verhängten.[viii] Die Ölpreise stiegen von 4,60 US-Dollar pro Barrel im Oktober 1973 auf 15,50 US-Dollar im Januar 1974 und blieben bis zum Ende des Jahrzehnts auf erhöhtem Niveau, bevor sie sich Anfang der 1980er Jahre normalisierten.[ix] Entsprechend stiegen die US-Benzinpreise in den 1970er Jahren und erreichten 1981 ein Hoch, das erst im Jahr 2000 wieder erreicht wurde.[x] Im Zuge des Anstiegs der Rohölpreise erhöhte sich auch der Anteil der Benzinausgaben an den Konsumausgaben in den USA – von 3,2 Prozent im Jahr 1972 auf 5,1 Prozent im Jahr 1981. (Darstellung 1) Seitdem ist der Anteil von Benzin an den privaten Konsumausgaben insgesamt rückläufig. Zwar erhöhte ein Preisanstieg in den 2000er Jahren vorübergehend den Anteil der Benzinausgaben am Gesamtvolumen der Konsumausgaben, doch das Niveau der 1970er Jahre wurde nicht wieder erreicht.

Darstellung 1: Steigende US-Benzinpreise, sinkender Anteil an den Konsumausgaben der US-Verbraucher

Quelle: Notenbank von St. Louis und US-Energieministerium, Stand: 09.03.2026. Ausgaben für Kraftstoffe, Schmierstoffe und Flüssigkeiten für Kraftfahrzeuge als Prozentsatz der privaten Konsumausgaben sowie durchschnittlicher jährlicher US-Einzelhandelspreis für Benzin, 1950 – 2023 (neueste verfügbaren Daten für den durchschnittlichen jährlichen Benzin-Einzelhandelspreis).

Zwar haben die Rohölpreise einen großen Einfluss auf den Preis an der Tankstelle, doch sind sie nicht der einzige Faktor. Der Großteil des Einzelhandelspreises für einen Liter Benzin in Deutschland entfällt laut dem globalen Autovermieter Rhino Car Hire auf Mehrwertsteuer (19 Prozent) und Energiesteuern (55 Prozent); ohne Steuern belaufen sich die übrigen Kosten, einschließlich Rohölkosten, auf rund 26 Prozent des Verkaufspreises.[xi] Wir können die Besorgnis über steigende Benzinpreise nachvollziehen. Viel lieber würde man das Geld in eine neue Frühlingsgarderobe oder einen Urlaub investieren, als es an der Tankstelle auszugeben. Unseres Erachtens stellen die Entwicklungen auf dem globalen Rohölmarkt jedoch nicht das makroökonomische Problem dar, das viele darin sehen. Dass viele dies anders sehen, ist ein weiteres Indiz für die Stimmungswende in diesem Jahr und ein Grund, weiterhin optimistisch gegenüber den globalen Aktienmärkten zu bleiben.


[i] Quelle: AAA, Stand: 10.03.2026.
[ii] „Germany: Fuel Prices Spike Amid Iran Conflict“, Mark Hallam, Deutsche Welle, 04.03.2026.
[iii] „Drive Less to Cope With Petrol Price Surge, Says AA“, Chris Price, Tim Wallace und Szu Ping Chan, The Telegraph, 09.03.2026. Abgerufen über Yahoo! News.
[iv] „Australian Petrol Retailers Accused of Price Gouging Over Rising Fuel Costs Amid Iran War“, Patrick Commins, The Guardian, 05.03.2026.
[v] Quelle: Bureau of Labor Statistics, Stand: 06.03.2026.
[vi] Quelle: Eurostat und Office for National Statistics, Stand: 06.03.2026. Die Aussage basiert auf der Gewichtung von Benzin im harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) der EU für 2025 sowie auf der Gewichtung von Benzin und Diesel im britischen CPIH für 2025.
[vii] Quelle: Eurostat, Stand: 11.03.2026.
[viii] „Oil Embargo, 1973 – 1974“, Office of the Historian, abgerufen am 11.03.2026.
[ix] Quelle: FactSet, Stand: 03.10.2026. Die Aussage basiert auf den monatlichen Spotpreisen für Brent-Rohöl von Oktober 1973 bis Dezember 1983.
[x] Quelle: US-Energieministerium, Stand: 09.03.2026. Durchschnittlicher jährlicher Einzelhandelspreis für Benzin in den USA, 1970 –1982.
[xi] Quelle: RhinoCarHire.com, Stand: 11.03.2026. „Fuel Taxes in Europe – Fuel Price Breakdown in Europe.“


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