Individuelle Vermögensverwaltung / Wirtschaft
Was uns die BIP-Zahlen aus Deutschland und Großbritannien lehren
Die jüngsten BIP-Daten bestätigen, dass die Fundamentaldaten den Anstieg der Aktienkurse im vergangenen Jahr gestützt haben.
Ende Januar dominieren geopolitische Themen die meisten Schlagzeilen, die Fisher Investments Germany verfolgt. Einige Wirtschaftsnachrichten bleiben unserer Meinung nach jedoch unbeachtet: So lässt sich aus aktuellen Daten ablesen, welche Faktoren im vergangenen Jahr die Aktienkurse beeinflusst haben. Die jüngsten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (das BIP ist eine von einer Regierung veröffentlichte Kennzahl für die Wirtschaftsleistung) in Großbritannien und Deutschland bestätigen, dass die Lage 2025 doch nicht so schlecht war, wie von vielen Experten erwartet – und verdeutlichen einmal mehr, was die Aktienmärkte wirklich bewegt.
Der aktuelle „kranke Mann Europas“ ist auf dem Weg der Besserung
Die Veröffentlichung der deutschen BIP-Zahlen für das vierte Quartal lässt zwar noch einige Tage auf sich warten, doch das Statistische Bundesamt (Destatis) hat für 2025 bereits ein Gesamtjahreswachstum von 0,3 Prozent bekannt gegeben.[i] Bei den zugrunde liegenden Komponenten zeigte sich ein gemischtes Bild: Während die Ausgaben der privaten Haushalte (Wachstum von 1,4 Prozent im Jahresvergleich) einen positiven Beitrag leisteten, wirkten sich die Bruttoanlageinvestitionen (−0,5 Prozent) und die Exporte (−0,3 Prozent) negativ aus.[ii] Auf Sektorebene verzeichnete das verarbeitende Gewerbe (−1,3 Prozent) das dritte Jahr in Folge einen Rückgang, wohingegen das Dienstleistungssegment (z. B. Handel, Transport, Beherbergung und Gastronomie sowie Information und Kommunikation) überwiegend Wachstum erzielte.[iii]
Aus Sicht von Fisher Investments Germany ist Folgendes besonders bemerkenswert: Das Statistische Bundesamt gab bekannt, dass die zweijährige Rezession in Deutschland im vergangenen Jahr beendet wurde.[iv] Sollten Sie nicht gewusst haben, dass sich Deutschland in einer Rezession befand, sind Sie damit vermutlich nicht allein: Dies ist die erste offizielle Bestätigung, dass Deutschland in einer Rezession war, und sie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Daten zeigen, dass diese beendet ist. Vielleicht lag die Rezession aufgrund der beiden aufeinanderfolgenden BIP-Rückgänge von 2023 bis 2024 auf der Hand. Diese waren jedoch nur geringfügig.[v] In den von Fisher Investments Germany verfolgten Konjunkturberichten heißt es häufig, Deutschland befinde sich in einer Rezession. Vor der regelmäßigen jährlichen Revision durch das Statistische Bundesamt im letzten Jahr schwankte das deutsche BIP jedoch von Mitte 2022 bis Mitte 2025 in jedem Quartal zwischen Wachstum und Kontraktion.[vi] Die Situation ist also tatsächlich unklar. Nun hat die für das deutsche BIP zuständige Behörde dies offiziell bestätigt, allerdings mehr als ein Jahr nach Ende der Rezession – ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir es mit einem rückwärtsgerichteten Indikator zu tun haben.
Diese Bestätigung dürfte für die Aktienmärkte, die ja nach vorne blicken, allerdings nichts Neues sein. Wir glauben, dass sie den Abschwung bereits vor seinem Eintreten eingepreist hatten, denn deutsche Aktien durchliefen von Mitte November 2021 bis Ende September 2022 einen Bärenmarkt und verloren dabei 30,7 Prozent – was mit einer erwarteten Konjunkturabschwächung im Einklang stand.[vii] Zum Vergleich: Der MSCI World fiel im gleichen Zeitraum nur um 12,4 Prozent.[viii] Trotz der Rezession, die sich in den beiden Folgejahren abzeichnete, setzte bei deutschen Aktien eine Hausse ein. (Darstellung 1)
Darstellung 1: Deutsche Aktien bewegten sich als erste
Quelle: FactSet, Stand: 23.01.2026. MSCI Germany Investable Market Index, Rendite mit Bruttodividenden, 31.12.2020 – 16.01.2026.
Zu Beginn des Jahres 2025 ging der Konsens davon aus, dass das Wachstum aufgrund sowohl nationaler (restriktive Fiskalpolitik und anhaltender Abschwung in der Industrie) als auch internationaler Faktoren (geopolitische Unsicherheit) nachlassen würde.[ix] Viele der von Fisher Investments Germany ausgewerteten Analysen kamen zu dem Schluss, dass die deutsche Wirtschaft einen Impuls benötigte, weshalb das Ausgabenprogramm von Friedrich Merz enthusiastisch aufgenommen wurde.[x] Wie die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, ist das BIP im vergangenen Jahr jedoch gewachsen, obwohl die Ausgabenpläne von Merz nicht den Impuls brachten, den viele ursprünglich erwartet hatten. Dies geht aus den von Fisher Investments Germany betrachteten Berichten hervor. Wir sehen darin eine Bestätigung, dass die Aktienmärkte nicht so unrealistisch optimistisch waren, wie es die Hoffnungen hinsichtlich der fiskalischen Impulse vermuten ließen. Demnach reichte bereits ein geringes Wachstum aus, um die Erwartungen zu übertreffen.
Auch das britische BIP übertraf die Erwartungen
Das Thema Rezession war in Großbritannien zwar nicht so präsent wie in Deutschland. Allerdings befürchteten viele, dass Unternehmen in Schwierigkeiten geraten könnten – unter anderem aufgrund der Unsicherheit, die der Haushaltsplan der britischen Finanzministerin Rachel Reeves vom November verursacht hatte.[xi] Auch die Datenlage schien die Schwäche zum Jahresende zu bestätigen: Laut den ersten Schätzungen des Office for National Statistics (ONS) blieb das BIP im August unverändert, schrumpfte im September um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und ging dann im Oktober unerwartet erneut zurück (−0,1 Prozent). [xii] Basierend auf den von Fisher Investments Germany verfolgten Medienberichten gingen viele Beobachter davon aus, dass Ausgaben und Investitionen aufgrund der Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Haushalt gebremst würden und dass sich dieser Trend bis in den November hinein fortsetzen würde.
Vor diesem Hintergrund sorgte das BIP im November mit einem Wachstum von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat für eine Überraschung.[xiii] Trotz aller Warnungen vor negativen Auswirkungen des Haushalts hat die Geschäftstätigkeit nicht nachgelassen. Das Wachstum im November war zum Teil darauf zurückzuführen, dass ein großer Automobilhersteller nach einem Cyberangriff im Spätsommer, der die Produktion lahmgelegt hatte, seinen Betrieb wieder aufnehmen konnte.[xiv] Die Produktion von Kraftfahrzeugen, Anhängern und Sattelanhängern stieg im November um 25,5 Prozent gegenüber dem Vormonat, nachdem sie im Oktober um 9,6 Prozent zugelegt und im September um 29,6 Prozent eingebrochen war.[xv] Dies verzerrt zwar die Daten für November nach oben. Allerdings glauben wir, dass es sich auch bei den Einbrüchen in den Vormonaten um einmalige Ereignisse handelte, sodass sich die Effekte insgesamt ausgleichen.
Unterdessen verzeichnete der Dienstleistungssektor – der wichtigste Motor des britischen BIP – im November, nach einem Minus von 0,3 Prozent im Oktober, ein Wachstum von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat. Interessanterweise könnte die Unsicherheit hinsichtlich des Haushaltsplans einigen Unternehmen Auftrieb verliehen haben.[xvi] So verzeichnete beispielsweise das Segment Rechnungswesen, Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung sowie Steuerberatung einen Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, der vermutlich auf die Spekulationen über den Haushalt und die Ungewissheit hinsichtlich der Auswirkungen auf die Finanzen der privaten Haushalte zurückzuführen war.[xvii]
Betrachtet man das Gesamtbild, so hat das ONS auch seine erste Schätzung für September nach oben korrigiert: von einem Rückgang von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat auf ein Wachstum von 0,1 Prozent.[xviii] Damit verzeichnete das britische BIP nicht zwei monatliche Rückgänge (wobei für November ein weiterer Rückgang als sicher galt), sondern in zwei der drei Monate ein Wachstum (mit der stärksten Steigerung im November). Die neuesten Daten scheinen also zu bestätigen, dass sich das britische Wachstum in der zweiten Jahreshälfte stabilisiert hat – was darauf hindeutet, dass der Anstieg britischer Aktien auf GBP-Basis um 8,5 Prozent seit September, womit sie den MSCI World Index (+7,0 Prozent im gleichen Zeitraum und ebenfalls auf GBP-Basis) übertrafen, auf besseren Fundamentaldaten beruhte als allgemein angenommen.[xix]
Diese Daten veranschaulichen einen Punkt, den Fisher Investments Germany häufig anspricht: Die Märkte preisen allgemein bekannte Informationen effizient ein, d. h., sie berücksichtigen bereits im Voraus alle Analysen, Diskussionen und Konversationen über wahrgenommene negative und positive Faktoren, die für Aktien von Bedeutung sind. Aktien können zwar innerhalb eines Tages, einer Woche oder sogar eines Monats aus beliebigen Gründen (oder ohne Grund) schwanken, doch auf längere Sicht spielen unserer Meinung nach die Fundamentaldaten eine wichtigere Rolle. Vor allem die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und der Realität sorgt für Bewegung.
Geht der Konsens beispielsweise davon aus, dass ein Land oder eine Region eine tiefe, lang anhaltende Rezession erleben wird, kann selbst ein leichter Abschwung positiv überraschen. Dies war nach 2022 in Deutschland der Fall, als viele Kommentatoren davor warnten, dass die Energiekrise in Europa zu einem tiefgreifenden und anhaltenden wirtschaftlichen Abschwung führen würde.[xx] Die Realität – eine leichte Rezession, unterbrochen von einigen Quartalen mit schwachem Wachstum – war jedoch bei Weitem nicht so düster.
Entscheidend für Anleger ist unseres Erachtens, dass die Märkte nicht auf eine offizielle Bestätigung der Konjunkturschwäche oder -erholung warten. Was Deutschland betrifft, so haben wir jetzt – im Jahr 2026 – die offizielle Bestätigung erhalten, dass sich die deutsche Wirtschaft von 2023 bis 2024 in einer Rezession befand. Hinsichtlich Großbritannien, wo es um einen kürzeren Zeitraum geht, hatten viele Experten davor gewarnt, dass die Wirtschaft im letzten Jahr aufgrund des Haushaltsplans ins Straucheln geraten würde. Abgesehen von einigen Schwächephasen wuchs das britische BIP jedoch weiter. Langfristig orientierte Anleger, die erst dann investieren, wenn die vermeintlichen Negativfaktoren beseitigt sind, könnten etwaige entgangene Renditen aus Haussephasen teuer zu stehen kommen.
[i] Quelle: Destatis, Stand: 21.01.2026.
[ii] Ebd.
[iii] Ebd.
[iv] Man spricht von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung über einen bestimmten Zeitraum hinweg schrumpft.
[v] Siehe Fußnote i.
[vi] „Germany’s GDP Contraction Worse Than Expected After Tariff Boost“, Eleanor Butler, Euronews, 22.08.2025.
[vii] Quelle: FactSet, Stand: 21.01.2026. MSCI Germany IMI, Rendite mit Bruttodividenden, 17.11.2021 – 29.09.2022. Bärenmärkte sind in der Regel längere, fundamental getriebene allgemeine Rückgänge am Aktienmarkt von mindestens 20 Prozent oder mehr.
[viii] Quelle: FactSet, Stand: 21.01.2026. MSCI World Index, Renditen mit Nettodividenden, 17.11.2021 – 29.09.2022.
[ix] „Germany Slashes Growth Outlook in ‘Serious’ Diagnosis of Europe’s Largest Economy“, Sophie Kiderlin, CNBC, 29.01.2025.
[x] „Germany’s Fiscal U-Turn Could Be a ‘Game Changer’ for the Country’s Sluggish Economy, Analysts Say“, Sophie Kiderlin, CNBC, 05.03.2025.
[xi] „Reeves Risks Another Post-Budget Inflation Surge, Business Warns“, Philip Aldrick, 09.09.2025. Abgerufen über China Daily.
[xii] Quelle: Office for National Statistics, Stand: 21.01.2026.
[xiii] Ebd.
[xiv] „Jaguar Land Rover Slides to Loss of Almost £500m After Cyber-Attack“, Gwyn Topham und Jasper Jolly, The Guardian, 14.11.2025.
[xv] Siehe Fußnote xii.
[xvi] Ebd.
[xvii] Ebd.
[xviii] Ebd.
[xix] Quelle: FactSet, Stand: 21.01.2026. MSCI United Kingdom IMI, Rendite mit Bruttodividenden, und MSCI World, Rendite mit Nettodividenden, 31.08.2025 – 31.12.2025. In Pfund Sterling angegeben. Wechselkursschwankungen zwischen dem Euro und dem Pfund können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.
[xx] „Germany’s Economy Stagnates as Recession Fears Mount“, Richard Connor, Deutsche Welle, 29.07.2022.
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