Individuelle Vermögensverwaltung / Marktanalysen

Gold scheitert erneut die „sicherer Hafen“-Prüfung

Zur Erinnerung: Gold ist keine gute Absicherung gegen Inflation oder Unsicherheit.

Unserer Erfahrung nach bezeichnen viele Finanzexperten Gold als ideale Anlage in Zeiten der Unsicherheit und der Inflation (allgemeiner Preisanstieg in der gesamten Wirtschaft).[i] Wir sind allerdings der Ansicht, dass die bisherige Jahresperformance von Gold (ausgedrückt in US-Dollar, da der Goldpreis weltweit in US-Dollar notiert wird) dieser Vorstellung den Wind aus den Segeln nimmt, da das Edelmetall nach einem Boom zu Jahresbeginn ins Straucheln geraten ist und kürzlich die Schwelle zum Bärenmarkt (ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Höchststand) überschritten hat. Dies macht seinen Ruf als Universallösung zunichte.[ii]

Gold verzeichnete zu Beginn des neuen Jahres einen Höhenflug und schloss das Jahr 2025 bei 4.368 US-Dollar pro Feinunze (rund 3.811 Euro) – nahe den Rekordhöchstständen – was in einigen von uns verfolgten Finanzpublikationen zu Prognosen von 5.000 US-Dollar für das Jahr 2026 führte.[iii] Dieser Optimismus schien vielleicht durchaus begründet, nachdem das Edelmetall am 29. Januar ein Allzeithoch von 5.405 US-Dollar erreicht hatte.[iv] Nach einem lebhaften Februar ist der Goldpreis jedoch seit März, kurz nach Ausbruch des Krieges im Iran, gesunken.[v] In der zweiten Juniwoche rutschte Gold in den Bärenmarkt ab, obwohl erneut vor einer sich abschwächenden Weltwirtschaft und einer sich wieder anheizenden Inflation gewarnt wurde – Bedingungen, die nach gängiger Anlageweisheit eigentlich den Goldpreis begünstigen sollten (im Gegensatz dazu legten die weltweiten Aktien im gleichen Zeitraum zu.[vi])

Aber gilt Gold nicht eigentlich als sicherer Hafen (ein Vermögenswert, der in turbulenten Zeiten seinen Wert behält), wenn Unsicherheit und Inflation zunehmen? Wenn dem so ist, sind wir der Meinung, dass Edelmetalle diese Rolle nur unzureichend erfüllen. Zwar gibt es keine hundertprozentig zuverlässige Methode, um Unsicherheit zu messen, doch liefert die Berichterstattung der Medien unserer Ansicht nach einen guten Anhaltspunkt dafür, welche Themen die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Der Iran-Krieg, in dessen Verlauf es mehrfach zu Versuchen gekommen ist, einen angeblichen Waffenstillstand zu erreichen, hatte einen starken Einbruch an den weltweiten Aktienmärkten zur Folge.[vii] Unruhen auf den globalen Energiemärkten – von der Sperrung der Straße von Hormus bis zum Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC); der anhaltende Krieg in der Ukraine; Fragen zu Chinas Ambitionen in Bezug auf Taiwan – auch Inflationsängste sind wieder aufgeflammt: die Preise steigen kurzfristig aufgrund der Energiekosten und es gibt Warnsignale, die andeuten, dass sie weiter ansteigen könnten – was die Sorgen wieder aufleben lässt, die wir im Jahr 2022 in Europa erlebt haben.[viii] Anstatt unter diesen Bedingungen besonders gut abzuschneiden, hat Gold stark nachgegeben, sodass es seit Jahresbeginn nahezu unverändert notiert und nach einer leichten Erholung in jüngster Zeit gegenüber seinem Höchststand vom 29. Januar in US-Dollar um 19,4 Prozent zurückgegangen ist.[ix]

Darstellung 1: Ein ungewisses Jahr 2026 hat Gold nicht gutgetan

Man sieht ein Liniendiagramm mit einer einzelnen dunkelgrünen Linie, das an verschiedenen Stellen der Linie mit runden goldenen Markierungen versehen ist. Diese Markierungen stehen jeweils für ein relevantes Ereignis und sind mit einem Textfeld verknüpft, das das Datum der Markierung sowie eine kurze Erklärung des für dieses Datum relevanten Ereignisses enthält. Die grüne Linie stellt den Goldpreis in US-Dollar pro Feinunze (oz. tr.) im Zeitraum vom 31. Dezember 2025 bis zum 16. Juni 2026 dar.

Die x-Achse stellt die Zeiträume vom 31. Dezember 2025 bis zum 16. Juni, 2026 dar. Die y-Achse gibt den Preis in US-Dollar pro Feinunze an und reicht von 3.500 bis 6.000 US-Dollar.

Das Diagramm enthält eine durchgehende dunkelgrüne Linie, die im ersten Fünftel des Diagrammbereichs unregelmäßig von links nach rechts ansteigt, bevor sie im restlichen Berichtszeitraum insgesamt einen Abwärtstrend mit starken Schwankungen aufweist. Die Kurve beginnt links am 31. Dezember 2025 bei knapp unter 4.500 US-Dollar pro Feinunze und steigt bis zum 29. Januar 2026 auf knapp über 5.400 US-Dollar an. Anschließend fällt der Kurs am 2. Februar 2026 stark auf rund 4.700 US-Dollar pro Feinunze, bevor er im weiteren Verlauf des Februars unregelmäßig ansteigt und schließlich am 27. Februar 2026 etwas über 5.200 US-Dollar pro Feinunze erreicht. Von dort aus fällt die dunkelgrüne Linie weitgehend ab und sinkt am 24. März 2026 auf ein Niveau von rund 4.400 US-Dollar, bevor sie um den 18. April 2026 herum wieder leicht ansteigt auf 4.800 US-Dollar pro Feinunze. Von dort aus setzt die dunkelgrüne Linie ihren unregelmäßigen Abwärtstrend fort und erreicht am 11. Juni 2026 ihren Tiefststand von rund 4.070 US-Dollar pro Feinunze, bevor sie wieder leicht ansteigt. Der letzte auf der y-Achse dargestellte Wert beträgt 4.336 pro Feinunze am 16. Juni 2026.

Auf der dunkelgrünen Linie befinden sich außerdem fünf einzelne runde goldene Markierungen, die jeweils für ein relevantes Datum und ein Ereignis stehen. Von links nach rechts betrachtet liegt der erste Marker am 25. Februar 2026 bei einem Preisniveau von 5.192 US-Dollar pro Feinunze. In einem Textfeld, auf das ein Pfeil in Richtung dieser ersten Markierung zeigt, steht: „25. Februar: Die `Mini-Korrektur´ an den weltweiten Aktienmärkten beginnt (endete am 30. März, 2026, in US-Dollar denominiert).“ Der zweite Referenzwert liegt bei einem Preisniveau von 5.314 US-Dollar pro Feinunze am 2. März 2026. In einem dazugehörigen Textfeld steht: „2. März: Luftangriffe auf den Iran beginnen; Die Straße von Hormus wird am 3. April offiziell `geschlossen´.“ Der dritte Referenzwert liegt am 1. Mai 2026 bei einem Preisniveau von 4.637 US-Dollar pro Feinunze. Im dazugehörigen Textfeld steht: „1. Mai: Die VAE treten aus der OPEC aus.“ Der vierte Referenzwert liegt am 12. Mai 2026 bei einem Preisniveau von 4.678 US-Dollar pro Feinunze. Im Textfeld steht: „12. Mai: Veröffentlichung des US-Verbraucherpreisindexes (VPI) für April. “ Der fünfte Referenzwert liegt am 10. Juni 2026 bei einem Preisniveau von 4.171 US-Dollar pro Feinunze. Im Textfeld steht: „10. Juni: Veröffentlichung des US-VPI für Mai.“
 

Quelle: FactSet, Stand: 17.06.2026. Gold-Spotpreis, 31.12.2025 – 16.06.2026. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

In der Berichterstattung war zu lesen, dass Gold unter Druck stehe, weil einige geldpolitische Institutionen ihre Leitzinsen anheben und andere möglicherweise bald nachziehen werden. Allerdings gehen Phasen hoher Inflation (mitunter auch Unsicherheit), die angeblich von Vorteil für Gold sind, nach unseren historischen Beobachtungen in der Regel mit steigenden Zinsen einher. Blicken wir ein paar Jahre zurück, als die US-Notenbank (Fed) ihre Zielspanne für den Leitzins zwischen März 2022 und Juli 2023 von 0,0 bis 0,25 Prozent auf 5,25 Prozent bis 5,50 Prozent anhob.[x] Der US-Verbraucherpreisindex (VPI, ein von der Regierung erstellter Indikator zur Erfassung der Preisentwicklung eines Warenkorbs ausgewählter Güter und Dienstleistungen) war seit Anfang 2021 rasant gestiegen (und erreichte seinen Höchststand im Juni 2022 mit 9,0 Prozent im Jahresvergleich), während eine Vielzahl von Unsicherheiten – vom Krieg in der Ukraine bis hin zu Befürchtungen hinsichtlich Energieengpässen – die Stimmung der Anleger dämpfe.[xi] Gold konnte sich in diesem Umfeld des Jahres 2022 nicht behaupten und verlor im Zeitraum vom 8. März bis 3. November bis zu 20 Prozent (in US-Dollar).[xii] Während der Zinserhöhungsphase der Fed in den Jahren 2022 bis 2023 erzielte Gold eine Rendite von 1,7 Prozent in US-Dollar und blieb damit hinter den globalen Aktien zurück, die eine Rendite von 5,8 Prozent in Euro erzielten.[xiii]

Wir sind daher der Meinung, dass die Aussage an sich bereits – unbeabsichtigt – anerkennt, dass Gold keine Absicherung gegen steigende Preise und beängstigende Ungewissheiten darstellt. Beachten Sie außerdem, dass Goldpreise historisch gesehen schon immer vielen Schwankungen ausgesetzt waren. Die US-Notenbank erhöhte die Zinsen im Zeitraum von Juni 2004 bis Juni 2006 und die Goldpreise stiegen in dieser Zeit ebenso.[xiv] Als die Fed von Juli 1990 bis September 1992 den Leitzins senkte, führte diese vermeintliche Stützmaßnahme nicht zu einem Anstieg der Goldpreise, sondern tatsächlich fielen diese größtenteils während der späten 1980er- und 1990er-Jahre.[xv]

Wir sind der Ansicht, dass Anleger gut beraten sind, sich vor Augen zu halten, was Gold im Grunde genommen ist: ein Rohstoff, der abgesehen von der Schmuckherstellung praktisch keine industrielle Verwendung findet, weshalb unserer Meinung nach die Marktstimmung der wichtigste Nachfragefaktor ist. Wenn man sich nicht vom Schein betrügen lässt, wird deutlich, was Gold den Anlegern nicht bringt: es schüttet keine Dividende aus, erwirtschaftet keine Gewinne, kauft keine eigenen Aktien zurück, investiert nicht in neue Produktlinien und übernimmt keine Unternehmen, um seinen Marktanteil auszubauen. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen zeigt unsere Recherche, dass sich Gold in der Regel nicht in lang andauernden Zyklen bewegt. Hohe Goldpreise begünstigen Investitionen in neue Minen zum Abbau von Gold, was schließlich zu einer Überproduktion führen kann und dies wiederum kann eine Versorgungsknappheit in ein Überangebot verwandeln.

Wir stellen also fest, dass die Preisentwicklung von Gold weitgehend von der Haltung der Anleger dazu abhängt. Gefühle sind unserer Ansicht nach unbeständig und unvorhersehbar, weshalb es unmöglich ist, den richtigen Zeitpunkt für kurzfristige Schwankungen am Aktienmarkt zu bestimmen. Da weder Sie dies können, noch jemand anderes die kurzfristigen Kursschwankungen von Aktien treffsicher vorhersagen kann – diese Person wäre sicherlich jetzt bereits eine lebende Legende – sind wir der Meinung, dass Gold Ihnen hier auch nicht viel bringen wird.



[i] „Why Is Gold a Safe Haven During Market Turmoil?“ Staff, FoxBusiness, 24.07.2020

[ii] Quelle: FactSet, Stand: 15.06.2026. Angabe basierend auf dem Gold-Spotpreis vom 31.12.2025 bis zum 15.06.2026. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

[iii] Quelle: FactSet, Stand: 15.06.2026, sowie „Record Start to 2026 Brings Prospect of $5,000 Gold Into View“, Ishaan Arora und Anjana Anil, Reuters, 13.11.2025. Abgerufen über Yahoo! Finance. Die Goldpreise sind in US-Dollar angegeben. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

[iv] Quelle: FactSet, Stand: 15.06.2026. Gold-Spotpreis am 29.01.2026. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

[v] Ebd. Gold-Spotpreis, 31.01.2026 – 15.06.2026. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

[vi] Ebd. Aussage basiert auf dem Gold-Spotpreis und dem MSCI World Index, Renditen mit Nettodividenden, 02.03.2026 – 12.06.2026. Der Gold-Spotpreis wird in US-Dollar angegeben, während die Renditen des MSCI World Index in Euro angegeben werden. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

[vii] Ebd. MSCI World Index, Renditen mit Nettodividenden, 02.03.2026 – 27.03.2026.

[viii] „Britain ‘Faces Deindustrailisation’ Without Relief From High Energy Prices, Survey Warns“, Phillip Inman, The Guardian, 15.06.2026.

[ix] Ebd. Gold-Spotpreis, 31.12.2025 – 12.06.2026 und 29.01.2026 – 12.06.2026. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und Lokalwährungen können zu höheren oder niedrigeren Anlagerenditen führen.

[x] Quelle: US Federal Reserve, Stand: 15.06.2026.

[xi] Quelle: FactSet, Stand: 15.06.2026.

[xii] Quelle: FactSet, Stand: 16.06.2026. Angabe basierend auf dem Gold-Spotpreis vom 18.03.2022 bis zum 03.11.2022. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und dem Euro können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.

[xiii] Quelle: FactSet, Stand: 17.06.2026. Aussage basiert auf dem Gold-Spotpreis und dem MSCI World Index, Renditen mit Nettodividenden, 16.03.2022 – 27.07.2023. Der Gold-Spotpreis wird in US-Dollar angegeben, während die Renditen des MSCI World Index in Euro angegeben werden. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und dem Euro können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.

[xiv] Quelle: St. Louis Federal Reserve und FactSet, Stand: 15.06.2026. Angabe auf der Grundlage des Gold-Spotpreis, Juni 2004 – Juni 2006. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und dem Euro können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.

[xv] Ebd. Angabe basiert auf dem Gold-Spotpreis, Januar 1989 – Januar 2000. Angegeben in US-Dollar. Wechselkursschwankungen zwischen dem US-Dollar und dem Euro können zu höheren oder niedrigeren Investmentrenditen führen.


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