Individuelle Vermögensverwaltung / Marktanalysen
Frankreichs hohe Renditen
Die Alarmstimmung wegen eines französischen Schuldenkollapses erscheint uns übertrieben.
Aktuell hört man überall in der Berichterstattung von Warnungen vor dem Schuldenberg Frankreichs sowie anderer Industrieländer. In den USA und anderswo sind wir der Meinung, dass ein Blick auf die Daten zeigt, dass Frankreich auf einem soliden Fundament steht. Wir sind überzeugt, dass es sich hierbei um eine falsche Angst handelt – und damit um einen Bestandteil unserer positiven Sichtweise, speziell außerhalb der USA.
Viele Finanzmarktbeobachter, denen wir folgen, bemerken, dass die Renditen 10-jähriger französischer Staatsanleihen mit 4,18 Prozent ihren höchsten Stand seit 2008 erreicht haben (Darstellung 1). Damit liegen sie 0,84 Prozentpunkte über vergleichbaren deutschen Renditen; ein Spread, wie er während der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2012 zu beobachten war (Darstellung 2). Diese Finanzmarktbeobachter schlussfolgern, dass sich die Märkte auf Haushaltsverhandlungen und die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr einstellen. Beide Ereignisse werden angeblich die finanzielle Lage Frankreichs verschlechtern.[i] Unterdessen warnen Ratingagenturen, dass Frankreich nach dem Haushaltsstreit im letzten Herbst weitere Herabstufungen drohen könnten, wenn die Regierung die roten Zahlen nicht eindämmt und die Verschuldung weiter steigt.[ii]
Darstellung 1: Rendite 10-jähriger Staatsanleihen ausgewählter Europäischer Länder
Ausführliche Beschreibung von Darstellung 1
Liniendiagramm mit drei Linien: dunkelgrüne Linie für Frankreich, goldene Linie für Italien und blaue Linie für Deutschland. Das Diagramm zeigt Renditen aus 10-jährigen Staatsanleihen von Januar 2008 bis August 2026.
- Y-Achse: Prozentangabe, im Bereich von -2 Prozent bis 9 Prozent.
- X-Achse: Daten von 2008 bis 2026.
- Dunkelgrüne Linie (Frankreich): Beginnt bei etwa 4,2 Prozent im Jahr 2008, verläuft im nächsten Jahrzehnt abwärts und erreicht 2020 knapp 0 Prozent. Die Linie fällt von 2020 bis 2022 leicht unter 0 Prozent, bevor sie 2022 stark ansteigt. Die Linie endet im August 2026 nahe 4,2 Prozent.
- Goldene Linie (Italien): Beginnt bei etwa 4,5 Prozent im Jahr 2008 und bleibt für den Großteil des Zeitraums über Frankreich und Deutschland. Die Linie steigt von 2011 bis 2012 stark an, erreicht einen Höchststand von etwa 7,6 Prozent, bevor sie bis 2015 auf etwa 1,1 Prozent sinkt. Sie steigt dann ungleichmäßig an, erreicht Ende 2018 einen Höchststand von 3,6 Prozent, fällt dann unregelmäßig auf 0,5 Prozent im Jahr 2021, steigt dann 2022 stark an, erreicht 2023 fast 5,0 Prozent, geht zurück und endet im August 2026 bei etwa 4,2 Prozent.
- Blaue Linie (Deutschland): Beginnt bei etwa 4,3 Prozent im Jahr 2008 und verläuft im Zeitverlauf niedriger als bei den anderen Ländern. Die Linie fällt zwischen 2019 und 2022 unter 0 Prozent, erreicht 2020 einen Tiefstand von etwa -0,9 Prozent, bevor sie 2022 stark ansteigt. Beendet den Beobachtungszeitraum nahe 3,3 Prozent im August 2026.
- Italien bleibt für den größten Teil des dargestellten Zeitraums das Land mit der höchsten Rendite, aber Frankreich überholte Italien im August 2026.
Quelle: FactSet, Stand: 04.08.2026.
Wir stellen hier nicht die politischen Tatsachen in Frage: Keiner der aussichtsreichen Kandidaten für die Wahl im April 2027 hat sich den Schuldenabbau auf die Fahne geschrieben. Vielmehr preisen die beiden zentralen Kandidaten eine Politik an, die zu mehr fiskalischer Großzügigkeit führen würde – ein angebliches „Albtraumszenario“ für die Finanzmärkte.[iii] Marine Le Pen, der bei Umfragen gute Chancen eingeräumt werden, lehnt Sparmaßnahmen zur Haushaltskonsolidierung ab und verspricht, dass das französische Renteneintrittsalter bei 62 Jahren bleiben wird. Außerdem befürwortet sie Übergewinnsteuern für Energieunternehmen, doch nur wenige Kommentatoren, deren Berichterstattung wir lesen, sehen dies als Rückkehr zu einer finanziellen Gesundheit für das Land.[iv]
Der aktuelle Zweitplatzierte Jean-Luc Mélenchon verspricht, französische Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Euro, die von der französischen Zentralbank Banque de France und dem weiteren Eurosystem gehalten werden – etwa 18 Prozent der Gesamtsumme – zu nehmen und „einfach ins Feuer zu werfen“.[v] Kritiker sagen, dass eine solche Schuldenstreichung ein klaffendes Kapitalloch bei der Geldinstitution hinterlassen würde. Sie sagen, diese Schuldenmonetarisierung (quasi Gelddrucken zum Kauf von Anleihen) würde eine akute französische Inflation (wirtschaftsweite Preiserhöhungen) auslösen und die Fähigkeit Frankreichs gefährden, sich breiter an den Märkten zu finanzieren. Einige warnen, dies würde Frankreich aus der Eurozone zwingen. Quelle horreur! Viele Finanzmarktbeobachter behaupten, dies sei der Grund, weshalb die 10-jährigen französischen Staatsanleihen die italienischen Staatsanleihen überholt haben.
Darstellung 2: Französische und italienische Kredit-Spreads – ihre Renditen abzüglich der Renditen Deutschlands
Ausführliche Beschreibung von Darstellung 2
Liniendiagramm mit zwei Linien: dunkelgrüne Linie für Frankreich und goldene Linie für Italien, das den Spread zwischen der Rendite aus 10-jährigen Staatsanleihen des jeweiligen Landes und der Rendite aus 10-jährigen Staatsanleihen Deutschlands von Januar 2008 bis August 2026 zeigt.
- Y-Achse: Prozentpunkte, im Bereich von -1 bis 6.
- X-Achse: Daten von 2008 bis 2026.
- Dunkelgrüne Linie (Frankreich): Beginnt bei etwa 0 Prozentpunkten im Jahr 2008 und bleibt bis 2011 im Allgemeinen unter 0,5 Prozentpunkten. Die Linie steigt bis 2012 auf einen Höchststand von etwa 1,8 Prozentpunkten und sinkt dann bis 2015 allmählich auf etwa 0,3. Sie schwankt von 2015 bis 2022 größtenteils zwischen 0,2 und 0,6 Prozentpunkten, bevor sie einen Aufwärtstrend zeigt. Die Linie endet Anfang 2026 bei etwa 0,8 Prozentpunkten.
- Goldene Linie (Italien): Beginnt bei etwa 0,3 Prozentpunkten im Jahr 2008 und bleibt bis 2010 zwischen etwa 0,5 und 1,5 Prozentpunkten. Die Linie steigt 2011 und 2012 stark an, erreicht einen Höchststand von etwa 5,5 Prozentpunkten und sinkt dann bis 2015 stetig auf etwa 1,2. Er schwankt zwischen etwa 1,0 und 3,2 Prozentpunkten von 2015 bis 2024, mit bemerkenswerten Anstiegen um 2018 bis 2020 und erneut 2022 bis 2023. Die Linie verläuft nach 2023 niedriger und endet im August 2026 bei etwa 0,8 Prozentpunkten.
- Beide Linien bleiben während des gesamten dargestellten Zeitraums über 0 Prozentpunkten. Der Spread Italiens ist im Großteil des Diagramms durchgehend höher und volatiler als der Spread Frankreichs, insbesondere in den Jahren 2011 – 2012 während der Schuldenkrise im Euroraum. Bis August 2026 konvergieren die Spreads für Frankreich und Italien auf etwa demselben Niveau von 0,8 Prozentpunkten.
Quelle: FactSet, Stand: 04.08.2026.
Aber hüten Sie sich davor, stimmungsgetriebene Volatilität als fundamentale Verschiebung zu interpretieren. Wenn man den Hype beiseite lässt, stellen wir fest, dass Frankreichs fiskalische Lage nicht so unsicher erscheint. Wie Darstellung 3 zeigt, beträgt der Schuldendienst der französischen Zentralregierung nur 10 Prozent der Staatseinnahmen. Das ist die Hälfte des Verhältnisses der USA, welches wir auch dort nicht als Grund für eine Krise ansehen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass einige Boomzeiten in der Vergangenheit mit ähnlich teuren US-Anleihezinsen einhergingen.[vi] Der französische Schuldendienst bewegte sich in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren zwischen 10 und 13 Prozent der Staatseinnahmen (Darstellung 3). Frankreich kam damals gut zurecht und wir bezweifeln, dass eine Rückkehr auf diese Niveaus anders wäre.[vii]
Darstellung 3: Zinszahlungen der französischen Zentralregierung im Verhältnis zu den Einnahmen
Ausführliche Beschreibung von Darstellung 3
Liniendiagramm mit einer einzelnen dunkelgrünen Linie mit der Überschrift „Zinszahlungen der französischen Zentralregierung im Verhältnis zu den Einnahmen“, das die Zinszahlungen der französischen Zentralregierung als Prozentsatz der Steuereinnahmen von 1978 bis 2025 zeigt.
- Y-Achse: Prozent, im Bereich von 0 Prozent bis 14 Prozent.
- X-Achse: Daten von 1978 bis 2025.
- Dunkelgrüne Linie: Beginnt bei etwa 2,5 Prozent im Jahr 1978 und steigt bis Anfang der 1980er-Jahre stetig an, wobei sie bis 1983 etwa 6 Prozent und bis Mitte der 1980er-Jahre 7 Prozent erreicht. Die Linie setzt ihren Aufwärtstrend durch die frühen und mittleren 1990er-Jahre fort und erreicht zwischen 1996 und 1998 einen Höchststand von etwa 12,5 Prozent .
- Von 1999 bis 2013 schwankt die Linie zwischen etwa 10,5 Prozent und 12 Prozent, mit mehreren lokalen Höchstständen nahe 12 Prozent und Tiefständen nahe 10,5 Prozent.
- Ab 2013 verläuft die Linie abwärts und sinkt von etwa 11 Prozent auf einen Tiefstand von nahe 5,5 Prozent im Jahr 2020.
- Nach 2020 steigt die Linie drastisch an, erreicht etwa 8,8 Prozent im Jahr 2022, geht 2023 leicht zurück und endet bei etwa 9,7 Prozent im Jahr 2025.
- Der Höchststand tritt in den späten 1990er-Jahren bei etwa 12,5 Prozent auf, während der Tiefststand zu Beginn der Reihe im Jahr 1978 bei etwa 2,5 Prozent liegt.
Quelle: INSEE, Stand: 04.07.2026.
Betrachten Sie außerdem einmal den Schuldienst der französischen Regierung (nationale Ebene und Kommunen), den Sie mit dem von Italien vergleichen können (Darstellung 4). Frankreich ist in einer besseren fiskalischen Verfassung als Italien. Unserer Meinung nach unterstreicht dies die Rolle, die die Stimmung gegenüber den Fundamentaldaten in letzter Zeit spielt. Während sich die Zinsdeckung Frankreichs leicht verschlechtert hat, zeigt unsere Nachforschung, dass dies nicht spezifisch für Frankreich ist, sondern vielmehr Teil eines globalen Trends, da höhere Anleihenrenditen in den Schuldenbestand eingeflossen sind. Unabhängig davon stellen wir fest, dass Sparmaßnahmen für die Anleihegläubiger Frankreichs nicht notwendig zu sein scheinen, denn ihr vorrangiges Anliegen ist es, bezahlt zu werden: Staatseinnahmen decken die Zinszahlungen problemlos ab.
Darstellung 4: Betrachtung und Gegenüberstellung von Zinszahlungen der französischen Regierung im Verhältnis zu den Staatseinnahmen
Ausführliche Beschreibung von Darstellung 4
Liniendiagramm mit zwei Linien: dunkelgrüne Linie für Frankreich und goldene Linie für Italien, das den Schuldienst der französischen Regierung (nationale Ebene und Kommunen) als Prozentsatz der Steuereinnahmen von 1946 bis 2026 zeigt.
- Y-Achse: Prozent, im Bereich von 0 Prozent bis 30 Prozent.
- X-Achse: Daten von 1946 bis 2026.
- Dunkelgrüne Linie (Frankreich): Beginnt bei etwa 8 Prozent im Jahr 1946 und sinkt bis Anfang der 1950er Jahre auf etwa 5 Prozent. Die Linie schwankt in den 1950er und frühen 1960er Jahren zwischen etwa 4 Prozent und 6 Prozent, bevor sie Anfang der 1970er Jahre auf etwa 3 Prozent fällt. Sie steigt in den 1980er- und 1990er-Jahren schrittweise an und erreicht Mitte der 1990er-Jahre einen Höchststand von etwa 7 Prozent. Danach verläuft die Linie niedriger, schwankt in den 2000er- und 2010er-Jahren meist zwischen 4 Prozent und 6 Prozent und erreicht 2020 einen Tiefstand von nahe 2,4 Prozent, bevor sie bis 2026 auf etwa 4,2 Prozent steigt.
- Goldene Linie (Italien): Beginnt bei etwa 14 Prozent im Jahr 1946, sinkt bis Ende der 1940er-Jahre auf etwa 6 Prozent und schwankt während der meisten Zeit der 1950er-Jahre zwischen 6 Prozent und 9 Prozent. Die Linie verzeichnet in den mittleren 1960er-Jahren einen Einbruch auf etwa 2 Prozent, bevor sie in den 1970er- und frühen 1980er-Jahren stetig ansteigt. Sie steigt in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren stark an, übersteigt 20 Prozent und erreicht 1993 einen Höchststand von nahe 27 Prozent. Die Linie sinkt dann in den späten 1990er- und 2000er-Jahren deutlich und fällt bis Mitte der 2000er-Jahre auf etwa 10 Prozent. Sie schwankt danach meist zwischen 7 Prozent und 11 Prozent und endet 2026 bei nahezu 8 Prozent.
- Italiens Linie bleibt während des fast gesamten dargestellten Zeitraums über der Linie Frankreichs. Die größte Kluft tritt Anfang und Mitte der 1990er-Jahre auf, als Italien 20 Prozent übersteigt, während Frankreich bei nahezu 6 Prozent bis 7 Prozent bleibt.
- Bis 2025 liegt Frankreich bei nahezu 4 Prozent und Italien bei nahezu 8 Prozent.
Quelle: IWF und EZB, Stand 04.09.2026. IWF-Daten bis 1994, danach EZB-Daten. Beachten Sie, dass der letzte Datenpunkt für jede Reihe für das 1. Quartal 2026 gilt.
Obwohl es möglich ist, dass sich dies unter einer neuen Regierung ändern könnte, d. h. dass theoretisch immer alles möglich ist, sind wir der Meinung, dass dies nicht wahrscheinlich ist. Was Kandidaten tun und erreichen können, sobald sie im Amt sind, weicht unserer Erfahrung nach oft von dem ab, was sie im Wahlkampf ankündigen. Wir stimmen zu, dass Mélenchons Idee eine Katastrophe sein könnte, wenn sie in die Praxis umgesetzt würde. Wir sind der Meinung, dass die Wahrscheinlichkeit jedoch minimal ist, dass eine von Mélenchon geführte Koalition einen Schuldenerlass durchsetzen kann. Frankreichs zersplitterte Legislative kann sich unseren Beobachtungen zufolge nicht einmal auf kleine Anpassungen der Fiskalpolitik einigen – geschweige denn auf Entscheidungen dieser Größenordnung.
Dennoch scheint die Berichterstattung darauf zu beharren, dass eine „Schreckensherrschaft“ am Markt unvermeidlich ist – was sagen also die Märkte? Wie Darstellung 5 zeigt, sind die Zinssätze in Frankreich (wie in anderen Industrieländern auch) zwar in letzter Zeit gestiegen, doch bleiben sie auf Niveaus, die Ökonomen, denen wir folgen, historisch als moderat betrachten würden. In der Tat liegen die Spreads gegenüber Deutschland auf Niveaus, die wir 2012 sahen ... als Frankreich auch dann nicht in Zahlungsverzug geriet und nicht im Fokus der Schuldenkrise stand. Alles in allem sieht der Anstieg für uns wie ein weiteres Zeichen für die Rückkehr der Anleihemärkte zur Normalität aus, nach Jahren der Verzerrung durch die langfristigen Anleihekaufprogramme der geldpolitischen Institutionen.
Darstellung 5: 10-jährige Staatsanleihenrenditen – Gesamtbetrachtung für die Perspektive
Ausführliche Beschreibung von Darstellung 5
Liniendiagramm mit drei Linien: dunkelgrüne Linie für Frankreich, goldene Linie für Italien und blaue Linie für Deutschland, das die 10-jährigen Staatsanleihenrenditen von 1973 bis 2026 zeigt.
- Y-Achse: Prozent, im Bereich von -5 Prozent bis 25 Prozent.
- X-Achse: Daten von 1973 bis 2026.
- Dunkelgrüne Linie (Frankreich): Sie beginnt 1980 bei etwa 13 Prozent, steigt Anfang der 1980er Jahre auf einen Höchststand von nahezu 17 Prozent, weist dann bis 2021 einen Abwärtstrend auf und verzeichnet Anfang der 1990er-Jahre einen Rückgang unter 8 Prozent, in den späten 1990er-Jahren unter 5 Prozent und in den 2010er-Jahren unter 3 Prozent. Sie fällt im Jahr 2021 unter 0 Prozent und steigt dann wieder an, um im August 2026 bei nahezu 4,2 Prozent zu enden.
- Goldene Linie (Italien): Die Linie beginnt 1980 bei etwa 14 Prozent und steigt Anfang der 1980er-Jahre stark auf über 20 Prozent, bevor sie in den späten 1980er-Jahren und Mitte der 1990er-Jahre in einen Bereich von 9 Prozent bis 15 Prozent fällt. Nach den späten 1990er-Jahren sinkt sie deutlich und fällt bis Mitte der 2000er-Jahre auf unter 5 Prozent. Die Linie steigt 2011 auf 8 Prozent und fällt dann Mitte der 2010er-Jahre in einen Bereich von etwa 1,0 Prozent – 2,5 Prozent ein. Die Linie steigt 2018 auf 3,6 Prozent, fällt Anfang der 2000er Jahre auf 0,5 Prozent, steigt 2022 stark an, erreicht 2023 einen Höchststand von nahezu 5,0 Prozent und endet im August 2026 bei 4,2 Prozent.
- Blaue Linie (Deutschland): Die Linie beginnt 1973 bei nahezu 8 Prozent, schwankt in den 1970er- und 1980er-Jahren zwischen etwa 6 Prozent und 11 Prozent und weist in den darauffolgenden Jahrzehnten einen Rückgang auf. Die Linie fällt Anfang der 2010er-Jahre unter 2 Prozent, sinkt von etwa 2020 bis 2021 leicht unter 0 Prozent und steigt danach an, um im August 2026 bei 3,3 Prozent zu enden.
- Alle drei Länder zeigen einen langfristigen Rückgang der 10-jährigen Renditen gegenüber ihren Höchstständen Anfang der 1980er-Jahre. Frankreich und Deutschland fallen von etwa 2020 bis 2021 auf nahezu 0 Prozent, bevor sie wieder ansteigen. Italien verzeichnet während des Großteils des Zeitraums die höchsten Werte, insbesondere in den 1980er- und 1990er-Jahren. Bis August 2026 konvergieren alle drei Länder in einem Bereich von etwa 3 Prozent bis 4 Prozent.
Quelle: FactSet, Stand: 04.08.2026.
Französische Zinssätze scheinen unserer Analyse zufolge globalen Trends zu folgen. Ihre Überschneidung mit Italien erscheint vielen Finanzmarktbeobachtern, denen wir folgen, bedeutsam. Wir sind jedoch der Meinung, dass ihre Annäherung an historisch moderate Zinssätze eher für eine verbesserte Stimmung in Bezug auf Italiens Finanzen spricht als für Warnungen vor Frankreichs. Für uns sieht es also nach einem Zeichen für Italiens verbesserte Glaubwürdigkeit aus, nicht nach Frankreichs Untergang (beachten Sie zudem, dass Italiens Anleihen-Schock von 2022 – wie Frankreichs heute – ebenfalls keine schwerwiegenden Folgen mit sich brachte, basierend auf unseren Auswertungen).
Wenn man die aktuelle Situation mit etwas Abstand betrachtet, erscheint sie nicht so alarmierend, wie viele dies empfinden. Unseres Erachtens ist die Realität in Frankreich – wie im Rest der Industrieländer – nicht so nah an einer Notlage, wie es die aufgebauschten Prognosen, die wir beobachten, vermuten lassen.
[i] „Hard-Left Presidential Candidate's Plan to Cancel French Debt Sparks Backlash“, Leigh Thomas, Reuters, 27.08.2026. Abgerufen über US News & World Report.
[ii] „French Economy Won’t Improve Any Time Soon, Warns Rating Agency“, Eleanor Harmsworth, The Telegraph, 29.08.2026. Abgerufen über Yahoo!
[iii] „French Borrowing Costs Hit Crisis Levels as Presidential Election Looms“, Chris Price, The Telegraph, 27.08.2026. Abgerufen über Yahoo!
[iv] Ebd.
[v] Ebd.
[vi] Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis, Stand: 04.09.2026. Übersicht basierend auf Staatseinnahmen und Zinszahlungen, 1940 – 2026.
[vii] Quelle: FactSet, Stand: 04.08.2026. Übersicht basierend auf Wachstumsraten des BIP für Frankreich in den 1990er-Jahren und zwischen 2000 – 2008.
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